Anleihen: Wie man das Beste aus dem historischen Zinstief macht

- München - Wer Geld sicher in Bundesanleihen oder Bankschuldverschreibungen anlegen möchte, muss sich mit mageren Zinsen zufrieden geben. Die durchschnittliche Umlaufrendite ist vor wenigen Tagen auf 3,45 Prozent gefallen und hat nun das Rekordtief vom Januar 1999 erreicht. Der Bund-Future, der den Kurs einer sechsprozentigen Anleihe mit einer 8,5-jährigen Restlaufzeit widerspiegelt, hat mit knapp 119 Prozent sein Allzeithoch bereits überschritten. Auch im kurzfristigen Bereich ist das Bild ähnlich: Gerade mal 1,65 Prozent werfen die ein Jahr laufenden Finanzierungsschätze des Bundes ab -Tendenz weiter fallend.

<P>Mittelfristige Zinsen</P><P>Die Renditen für Anleihen fallen immer dann, wenn die Nachfrage der Papiere steigt. Im ersten Quartal 2003 wurden mit 57 Milliarden Euro zehn Mal mehr europäische Anleihen gehandelt als im Vorjahreszeitraum. Starke Nachfrage kam vor allem aus Amerika und Japan, wo das Zinsniveau noch unter dem europäischen liegt.</P><P>Kurzfristige Zinsen</P><P>Die Entwicklung der Zinsen für Festgelder, Cashkonten, Geldmarktfonds oder Anleihen mit sehr kurzen Restlaufzeiten hängt vor allem an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Durch den gestiegenen Euro und die große Differenz zu den US-Zinsen war die EZB unter Zugzwang und senkte die Zinsen auf 2,0 Prozent. Das brachte die kurzfristigen Zinsen unter Druck.</P><P>Die Aussichten</P><P>Bei mittel- bis langfristigen Anleihen geht man auf Grund des starken Kursanstiegs der letzten Monate von vorübergehenden Gewinnmitnahmen aus. Bis zum Jahresende dürften sich die Zinsen auf dem aktuellen Niveau stabilisieren. Vergleicht man das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien mit dem des Rentenmarktes, kann man sehen, dass die Anleihen mittlerweile sehr hoch bewertet sind.</P><P>Die Entwicklung im Geldmarktbereich hängt stark von der weiteren Entwicklung des Euro ab. Auf Grund der niedrigen Inflationsrate sind eine weitere Zinssenkung durch die EZB und damit weiter fallende Zinsen im Rahmen des Möglichen.</P><P>Die Folgen</P><P>Wer Euro-Anleihen, Bankschuldverschreibungen oder Pfandbriefe in seinem Depot hat, braucht sich über die aktuelle Entwicklung keine Gedanken zu machen. Anleger, die vorzeitig ihr Kapital benötigen, können meist Kursgewinne realisieren. Wer die Papiere behält, kann sich über eine höhere Verzinsung bis zum Laufzeitende freuen.</P><P>Investmentansatz</P><P>Auf Grund der vergleichsweise niedrigen Zinsen und wegen wahrscheinlicher Kursrückgänge, die sich im langfristigen Bereich überproportional bemerkbar machen, empfiehlt es sich derzeit, Anleihen mit langen Restlaufzeiten (ab 7 Jahren) zu meiden. Wer sein Kapital in Euro-Anleihen anlegen möchte, sollte eine Mischung aus mittleren Laufzeiten und Geldmarktpapieren wählen.<BR><BR></P>

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