Experten sind trotzdem optimistisch

Arbeitslosigkeit im Dezember um rund 55.000 angestiegen

Nürnberg/Wiesbaden - Wenn im frostigen Dezember die Arbeitslosigkeit steigt, hat das meist jahreszeitliche Gründe. Zieht man diesen Effekt ab, läuft es auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiter rund.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist nach Experteneinschätzung saisonbedingt zum Jahresende wieder etwas kräftiger gestiegen. Insgesamt seien im Dezember 2016 rund 2,59 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit gewesen, schätzten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Das wären rund 55 000 mehr als im November, aber rund 90 000 weniger als vor einem Jahr. Auf das Gesamtjahr 2016 betrachtetet lag die Arbeitslosigkeit demnach im Schnitt bei 2,7 Millionen. Das wäre der niedrigste Jahresdurchschnittswert seit 25 Jahren.

Die offiziellen Arbeitslosenzahlen für den Dezember 2016 will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Dienstag (9.55 Uhr) veröffentlichen.

Die steigende Arbeitslosigkeit hat nach der Einschätzung der Ökonomen zum größten Teil jahreszeitliche Gründe: Im Dezember werden in der Regel die ersten Vorboten der Winter-Arbeitslosigkeit spürbar. Witterungsbedingt verlieren zum Jahresende bereits Tausende Beschäftigte in Außenberufen - wie auf dem Bau oder in Gärtnereien - ihre Arbeit und melden sich den Winter über arbeitslos. Deutlich ausgeprägter ist dieser Effekt allerdings im Januar.

Unabhängig vom saisonalen Auf und Ab der Arbeitslosenzahlen zeigt sich der deutsche Arbeitsmarkt dank stabiler Konjunktur weiter in bester Verfassung. Darauf deutet nicht zuletzt die enorm große Nachfrage nach Arbeitskräften hin. Nach Angaben der Bundesagentur vom Montag gab es im Dezember 2016 so viele freie Jobs wie nie zuvor. Mit 227 Punkten lag der von ihr monatlich ermittelte Stellenindex BA-X zum Jahresende vier Punkte über dem bisherigen Höchstwert.

Wie robust der deutsche Arbeitsmarkt ist, zeigt sich auch bei den am Montag veröffentlichten Erwerbstätigenzahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach gab es 2016 im Schnitt so viele Beschäftigte wie nie seit der Wiedervereinigung 1990 - nämlich die Rekordzahl von 43,5 Millionen. Das waren 429 000 oder ein Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Nach Einschätzung der Bank-Ökonomen sind die Arbeitsplätze auch 2017 sicher - doch die wachsende Zahl der Flüchtlinge könnte dem seit Jahren andauernden Jobaufschwung einen leichten Dämpfer verpassen. Sie gehen daher in der überwiegenden Mehrzahl von einer leicht steigenden Arbeitslosigkeit aus. Die Zahl der Jobsucher werde im Jahresdurchschnitt 2017 zwischen 30 000 und 100 000 über dem voraussichtlichen Niveau von 2016 liegen und damit auf 2,73 bis 2,8 Millionen steigen. Lediglich ein Volkswirt rechnet für 2017 mit einer leicht sinkenden Arbeitslosigkeit.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weltwirtschaftsforum in Davos: Trudeau kritisiert Trump
Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos die protektionistische Politik von US-Präsident Donald Trump kritisiert und die …
Weltwirtschaftsforum in Davos: Trudeau kritisiert Trump
Carsharing-Fusion von Daimler und BMW auf der Zielgeraden
München/Stuttgart (dpa) - Daimler und BMW wollen ihre Carsharing-Töchter nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in Kürze zusammenlegen. Die …
Carsharing-Fusion von Daimler und BMW auf der Zielgeraden
WEF beginnt mit Warnung vor Protektionismus und Alleingängen
US-Präsident Trump ist noch gar nicht in Davos eingetroffen. Doch schon jetzt bestimmen seine Politik und deren mögliche Auswirkungen die Diskussionen auf dem …
WEF beginnt mit Warnung vor Protektionismus und Alleingängen
Rekorde bei Dax, MDax und SDax - Wall Street treibt an
Frankfurt/Main (dpa) - Am deutschen Aktienmarkt sind am Dienstag die Rekorde gepurzelt. Der Leitindex Dax hatte gleich zum Handelsauftakt eine Bestmarke erreicht und …
Rekorde bei Dax, MDax und SDax - Wall Street treibt an

Kommentare