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Der Freistaat fördert Wohneigentum. Heuer reichen dafür die Mittel kaum.

Ansturm aufs Eigenheim: Geld wird knapp

München – Erstmals seit Jahren werden bei der Wohnungsbauförderung im Freistaat Bayern die Gelder knapp – und sind in einigen Regionen schon ausgeschöpft.

In der Krise setzen die Menschen vermehrt auf solide Werte – etwa Immobilien. In diesem Jahr wagen besonders viele Menschen den Sprung in die eigenen vier Wände. Dabei ist das Geld besonders begehrt, mit dem der Freistaat den Bau von Wohnraum fördert. In Oberfranken , Niederbayern und der Oberpfalz sitzen bereits mehrere Landkreise auf dem Trockenen. „Die Mittel sind verbraucht“, heißt es in vielen Landratsämtern in der Oberpfalz und Niederbayern (etwa in Landshut). Aber auch im Kreis Rosenheim müssen Bauwillige warten, weil in diesem Jahr voraussichtlich nichts mehr geht.

Verwunderlich ist der Ansturm nicht. Denn die Bedingungen, die der Freistaat Bauwilligen bei Miet- wie Eigentumswohnungen oder beim Bau oder Kauf von Häusern bietet, sind in den meisten Fällen günstiger, als es früher die Eigenheimzulage war:

15 Jahre lang zahlen die im Rahmen des Bayerischen Wohnungsbauprogramms Geförderten nur 0,5 Prozent Zinsen. Dazu kommt in den ersten Jahren ein Prozent Gebühr. Ab dem dritten Jahr wird mit diesem Anfangssatz getilgt. Nach 15 Jahren gelten Marktzinsen.

Allerdings bekommt das Geld nicht jeder: Denn es gibt Einkommensgrenzen. Doch die sind höher als allgemein angenommen. Selbst mit einem Jahresbruttoeinkommen von 70 000 Euro kann eine junge Familie mit zwei Kindern noch in den Genuss der Förderung kommen.

Häufiger scheitert es, wie Wolfgang Meier von der zuständigen Landesbank-Tochter Bayern Labo sagt, am fehlenden Eigenkapital. Das soll im Normalfall 25 Prozent der sogenannten „förderfähigen Kosten“ (das sind die Bau- und Grundstückskosten sowie eine Reihe von Nebenkosten) betragen. Bei Großfamilien gibt sich die Bayern Labo auch schon mit 15 Prozent zufrieden. Die müssen dann allerdings wirklich als Geldmittel oder in Form eines eigenen Grundstücks eingebracht werden. Viele, so Meier, schaffen das nicht.

Diese Hürden haben in den letzten Jahren den Andrang gebremst. So haben 2008 die 215 Millionen Euro, die der Freistaat sich dieses Wohnungsbauprogramm kosten ließ, durchaus ausgereicht. 3777 Eigentumswohnungen und 1058 Mietwohnungen wurden 2008 so mit bis zu 30 Prozent der förderfähigen Kosten mitfinanziert. Heuer wird das Geld nicht für alle reichen. Allerdings gibt es für Bauwillige noch gewisse Rest-Chancen.

  • Im Frühherbst überprüft die oberste Baubehörde, wie die Mittel in den Bezirken vergeben wurden. Da könnte es noch einen Nachschlag geben, wenn in einigen Bezirken die Gelder nicht vollständig abgerufen werden.
  • Außerdem kann in Fällen sozialer Dringlichkeit beim Landratsamt oder der (kreisfreien) Stadt ein „vorzeitiger Maßnahmenbeginn“ genehmigt werden. Ist das der Fall, können Bauwillige schon einmal anfangen und haben eine Chance, im nächsten Jahr zum Zug zu kommen. Allerdings müssen sie den Bau oder Kauf erst einmal alleine stemmen und auch mit dem Risiko leben, in der nächsten Vergaberunde leer auszugehen

Im Normalfall hat, wer einfach eine Wohnung oder ein Haus kauft oder mit dem Bau beginnt, überhaupt keine Chance auf eine künftige Förderung, wie Meier betont. Der Antrag muss immer vorher gestellt werden.

Allerdings hilft die Bayern Labo Bau- und Kaufwilligen auch ohne die begrenzten Gelder des Freistaats weiter. Diese können auch durch das bayerische Zinsverbilligungsprogramm profitieren. Auch dies bietet noch recht günstige Bedingungen. Dabei werden Zinsprogramme der bundeseigenen Förderbank KfW noch einmal billiger. Ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindungsfrist und einer Anfangstilgung von einem Prozent wird derzeit mit nur 3,3 Prozent verzinst.

Von Martin Prem

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