Ansturm der Barbaren: Danone wird von Pepsico attackiert

- Paris - Wenn "nationale Interessen" bedroht sind, kämpft Frankreich wie ein Mann. Es ist wieder soweit: Pepsico will Danone schlucken. Französischer Bio-Joghurt und französisches Mineralwasser in der Hand des US-Konzerns: Das wäre wie ein Ansturm der Barbaren auf die Kulturnation.

Die Reaktion kam prompt. Regierung und Opposition, Nationalisten und Kommunisten rufen zur Verteidigung auf. Der konservative Bauernbund FNSEA mobilisiert Milchbauern. Die linke Gewerkschaft CGT zieht für den "Schutz der nationalen Lebensmittelversorgung" in den Kampf. Danone-Chef Franck Riboud hatte Alarm geschlagen - und lief offene Türen ein: Spätestens seit dem Nein beim EU-Referendum setzt Paris ganz auf Protektionismus und Schutz heimischer Arbeitsplätze. "Frankreich ist nicht der Wilde Westen", erklärte Wirtschaftsminister Thierry Breton. Täglich telefoniert er mit der Pepsico-Führung. Das Ziel: Abschreckung.

Rund 30 Milliarden Euro müsste Pepsico nach Einschätzung von Analysten für Danone auf den Tisch legen. Es wäre ein lohnendes Investment: Pepsico will angesichts der Gesundheitswelle von dem Junk-Food-Image weg und hat deshalb bereits Müsli (Quaker Oats) und Säfte (Tropicana) zugekauft. Außerdem will der Multi seine Weltposition gegen Coca-Cola stärken. Danone kommt mit seinen Milchprodukten, Mineralwässern und Babynahrung und seiner starken Marktstellung von China bis Südamerika gerade recht.

Zur Verteidigung könne Frankreich höchstens "ein politisches Psychodrama veranstalten", meint "Le Monde". In der Marktwirtschaft seien ihr die Hände gebunden. Tatsächlich scheint Danone eine leichte Beute zu sein: Das Kapital ist breit gestreut und es gibt keinen beherrschenden Großaktionär. Der Konzern ist gut aufgestellt. Auch die Kartellämter dürften schwerlich ein Veto gegen Pepsico einlegen, weil die Produktpaletten der Konzerne sich nicht überschneiden. Allerdings kann auch ein "Psychodrama" wirken. So hat Paris mit politischen Drohungen Siemens am Kauf von Alstom und Novartis an der Übernahme von Aventis gehindert.

Außerdem schreckt Danone Angreifer mit "Giftpillen" ab: So wird das Stimmrecht für jeden Aktionär mit weniger als 66 Prozent des Kapitals auf zwölf Prozent beschränkt. Mit dem eigenen Anfachen der Spekulation wurde die Aktie - und damit der Kaufpreis - um ein Viertel hochgetrieben. Außerdem besitzt Danone die Alfabanque, und eine Bankübernahme ist nicht ohne vorherige Prüfung der Behörden möglich. Das verschafft zusätzliche Zeit im Abwehrkampf.

In der Finanzwelt löst die politische Mobilisierung für Danone allerdings Überraschung aus. Denn die Zeiten, als der Konzern "so französisch wie die Kathedrale von Chartres" war, sind längst vorbei. Danone ist selbst ein weltumspannender Multi und macht sogar in China doppelt so viel Umsatz wie auf dem Heimatmarkt.

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