Anwohner protestieren gegen Streckenausbau

Shanghai: - Proteste gegen den Transrapid gab es bislang vor allem in München. Doch seit einigen Wochen regt sich auch in China Widerstand gegen die Schwebebahn. In Schanghai sorgen sich Bürger wegen der Verlängerung der Strecke mitten durch die Metropole.

Schanghai ­ - Jahre hat die Betreiber-Gesellschaft des Transrapid in Shanghai mit dem Magnetbahn-Konsortium aus Siemens und Thyssen-Krupp über einen Ausbau der Strecke verhandelt. Nun zeichnet sich ein Durchbruch ab: Es gilt als sicher, dass die Verbindung zwischen dem Flughafen Pudong und der Long-Yang-\-Road am Rande der Innenstadt verlängert wird. "Das ist so gut wie durch", sagte ein Thyssen-Krupp-Manager unserer Zeitung. Es fehle nur noch der Segen des Pekinger Staatsrates.

Vorgesehen ist, die 30-Kilometer-Strecke um weitere 34 Kilometer bis zum Inlands-Flughafen Hong Qiao zu verlängern (siehe Karte). Der Transfer zwischen den beiden Verkehrsknotenpunkten würde sich dadurch auf rund 20 Minuten verkürzen. Auf seinem neuen Weg soll der Hochgeschwindigkeitszug zudem Zwischenstopps am Südbahnhof und in Nanpu einlegen. In dem Viertel findet 2010 die Weltausstellung "Expo" statt, auf der sich China als moderne Wirtschaftsmacht präsentieren möchte. Spätestens zum Start der Schau soll der Abschnitt deshalb fertig sein.

Die Chinesen meinen es ernst. Obwohl noch kein Vertrag unterzeichnet ist, laufen entlang der geplanten Trasse bereits Vorarbeiten. So haben die zuständigen Behörden Medienberichten zufolge schon tausende Anwohner aufgefordert, aus anliegenden Wohnungen und Häusern auszuziehen. Denn dem Transrapid stehen in der dicht besiedelten 18-Millionen-Metropole zahlreiche Gebäude im Weg. Die alte Trasse an der Long Yang Road endet beispielsweise nur wenige hundert Meter vor einer mehrstöckigen Apartmentanlage, die dem Transrapid womöglich geopfert wird. Es wird nicht gefackelt: Bis Ende Mai sollen alle Bewohner umgesiedelt sein.

Der Bau des ersten Abschnitts kurz nach der Jahrtausendwende ging noch reibungslos über die Bühne. Das Ausland sah damals staunend zu, wie Arbeiter binnen 22 Monaten die Schneise durch die Stadt pflügten. Doch heute halten viele betroffene Bürger nicht mehr still. Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte kürzlich einen Anwohner, der in einem Internetforum seinem Ärger Luft gemacht hatte, mit den Worten: "Warum hat die Regierung die Pläne nicht früher veröffentlicht und die Anwohner um Rat gefragt?"

Während manches Schwebebahn-Opfer um eine angemessene Entschädigung für seine vier Wände fürchtet, sorgen sich Anrainer, die künftig nahe der Schwebebahn wohnen sollen, um ihre Gesundheit. Streitpunkt ist vor allem der Sicherheitsabstand von 22,5 Metern, der wesentlich geringer ausfallen soll als bei der bisherigen Verbindung. Viele fürchten Elektrosmog, andere störende Fahrgeräusche. Über solche Ängste tauschen sich die Schanghaier auf der Webseite www.no-cf.org aus. Oder sie wenden sich an Angela Merkel.

"Sie wissen vielleicht mehr als wir über die Lärmbelästigung durch den Transrapid und den Schaden durch das elektronische Magnetfeld", heißt es in einem Brief, der Mitte März in Berlin eintrudelte und an Angela Merkel adressiert war. Der Transrapidausbau beschneide die grundlegenden Menschenrechte, weil Gesundheits- und Existenzrechte ignoriert würden. "Wir hoffen von ganzem Herzen, dass Sie uns und allen, die entlang der Transrapidstrecke leben, helfen können."

Hinter dem Schreiben stehen angeblich mehr als 1000 Bewohner der Tianyizou-Wohnanlage im Schanghaier Stadtteil Pudong. Doch ihr Hilferuf wird verhallen: Auf offene Briefe reagiere die Kanzlerin nie, heißt es.

Derweil bleibt es nicht bei Worten. Vor Wochen berichteten Augenzeugen von einer Demonstration vor dem Gebäude der Stadtregierung in Schanghai. Rund 350 Anwohner hatten sich dort versammelt, um gegen den Ausbau der Schwebebahn zu demonstrieren. Bei Rangeleien mit Sicherheitskräften verletzten sich mehrere Teilnehmer leicht.

Chinesische Medien ignorierten den Vorfall ebenso wie andere Protestaktionen auch. Aus Angst vor Aufruhren, vermuten ausländische Diplomaten. Denn der öffentliche Protest der Schanghaier Bürger, sei "ein absolutes Novum". Dass sie den Ausbau verhindern werden, daran glaubt allerdings niemand.

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