Apotheken fürchten sich nicht mehr vor Internet-Konkurrenz

- München - Von den kleinen Tüten mit Traubenzuckerbonbons, Tabletten gegen den Kater bis zu Drehschränken findet sich auf der Expopharm alles, was das Apothekerherz höher schlagen lässt. "Chaser" heißt das erste Medizinprodukt, das präventiv einen alkoholbedingten Kater verhindern soll. Wichtig - so steht es auf der Packung: Chaser beeinflusst oder reduziert nicht die Wirkung des Alkohols!

<P>Gleichzeitig mit Europas bedeutendster pharmazeutischer Fachmesse findet auch der Deutsche Apothekertag auf der Münchner Messe statt. Für die 21 300 Apotheken in Deutschland hat der Versandhandel an Schrecken verloren. "Der Versandhandel liegt bei drei, vier Prozent und wird auch nicht mehr", sagte Hermann Stefan Keller, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes. Die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneien werde durch die inhabergeführten, wohnortnahen Apotheken sichergestellt. </P><P>Dennoch höre man das hohe Lied des Mittelstandes nicht. Stattdessen werde die Vermarktung und Industrialisierung des Gesundheitswesens gefördert. Derzeit versorgt eine Apotheke in Deutschland im Schnitt 3875 Einwohner. Damit liege man im oberen europäischen Mittelfeld, der EU-Durchschnitt beträgt 3250 Menschen auf eine Apotheke.<BR>Bei der elektronischen Gesundheitskarte kam es laut Keller zum Eklat mit den Krankenkassen. Die Apotheker würden keiner Ausgestaltung zustimmen, die keine Medikamenten-Dokumentation vorsehe. Keller hoffe nicht, dass es zu einem "Pharma Collect" bei der elektronischen Gesundheitskarte komme. </P><P>Als Folge der Gesundheitsreform seien die Umsätze der Apotheken in diesem Jahr um 15 Prozent gesunken. "Wäre die letzten Jahre in allen Bereichen so gespart worden wie bei den Apothekern, dann wäre das Gesundheitssystem absolut gesund", sagte Keller.</P><P>Auch auf dem Arzneimittelhandel kamen staatliche Belastungen zu: So müssen die Hersteller den gesetzlichen Krankenkassen einen "Zwangsrabatt" von 16 Prozent auf verschreibungspflichtige, nicht durch ein Patent geschützte Medikamente einräumen. Schlimmer noch seien die Verkündung und das sofortige In-Kraft-Treten des 12. Azneimittelgesetzes, sagte Lothar Jenne, Vorsitzender des Bundesverbandes des pharmazeutischen Großhandels. Das sei ein "bürokratisches Monster", gut gemeint heiße nicht gleich gut gemacht. Durch diese Gesetzesänderung seien ab dem August die Auslieferungen von Arzneien überwiegend illegal gewesen.</P>

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