Ex-Mitarbeiterin erhebt schwere Vorwürfe

Arbeiten bei Apple: „Wie Hühner in einer Legebatterie“

Wien - Eine ehemalige Mitarbeiterin übt harsche Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Apple. Die Vorwürfe wiegen schwer. Das Unternehmen äußert sich nicht dazu.

Update vom 5. Juni 2017: Was stellt Apple auf der ersten Keynote 2017 alles vor? In unserem Live-Ticker erfahren Sie es. 

Die Österreicherin Daniela Kickl war in der Apple-Europa-Zentrale in Cork in Irland beschäftigt. Dort arbeitete sie im Call Center beim Customer-Support - und machte sehr schlechte Erfahrungen. Diese hat sie ihrem Buch „Apple intern“ zusammengefasst, das vor wenigen Tagen im „edition a“-Verlag erschienen ist. 

Vor ihrer Anstellung war Apple für Daniela Kickl ein Mythos, der für Individualität und Kreativität steht. Deshalb nahm sie auch gerne einen Job im Apple-Support-Callcenter an, für den die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin eigentlich überqualifiziert war. Wie in der Presseinformation ihres Verlags geschildert wird, siedelte sie für den Job bei Apple sogar mit ihrer Familie nach Irland über. Schließlich seien ihr von der Personalabteilung Aufstiegsmöglichkeiten in Aussicht gestellt worden.

Arbeitsbedingungen bei Apple: Manager wie Roboter

Von der neuen Arbeitsstelle bei Apple wurde Kickl jedoch herb enttäuscht: Im Apple-Support herrschten nach ihren Angaben strenges Management und exakt einzuhaltende Prozeduren. "Wir mussten einfach funktionieren wie Hühner in einer Legebatterie", sagt Kickl, "und die Manager, die uns dabei überwachten, waren wie Roboter." 

Sogar die tägliche Klo-Zeit sei auf täglich acht Minuten begrenzt gewesen - mit Hin- und Rückweg. Allerdings muss man bedenken, dass es sich dabei nicht um die einzige Pause des Tages handelt.

Weiter prangert Kickl an: Menschen würden auf Zahlen und Vergleichswerte reduziert und aus diesen Konsequenzen gezogen. Gegen einzelne Mitarbeiter könnten Verfahren eingeleitet und das Entgelt im Krankheitsfall gestrichen werden, so der Vorwurf. Kickl berichtet von psychischen Problemen, unter denen die Mitarbeiter leiden würden, auch sie selbst habe einen leichten Burnout gehabt. 

„Meine Kinder, die mitbekommen haben, was ich im Job erlebe, haben Apple irgendwann so sehr gehasst, dass sie nie mehr ein iPhone auch nur angreifen wollten", schreibt sie in "Apple intern".

„Halt die Klappe und geh zurück an die Arbeit"

Daniela Kickl wollte Veränderungen erreichen - und sammelte Notizen, E-Mails und Screenshots, in denen sie die Missstände dokumentierte. Dieses Dossier leitete sie nach eigenen Angaben zum Topmanagement weiter, sogar an Tim Cook persönlich. 

Konsequenzen habe dies allerdings nicht gehabt: "So wie es Apple-Standard-Bürostühle gibt, gibt es auch ein Apple-Standard-Manager-Lächeln", schreibt sie in ihrem Buch. "Mit diesem Lächeln sitzen sie einem dann bei Gesprächen gegenüber und alle Beteiligten wissen, dass sich nichts ändern wird. Die Botschaft lautet: Halt die Klappe und geh zurück an die Arbeit."

Video: So sieht Apples neues 5-Milliarden-Dollar-Quartier aus

Apple schweigt zu den Vorwürfen

Apple wollte sich zu den Vorwürfen von Daniela Kickl gegenüber unserer Online-Redaktion nicht äußern. Ob sich die angeprangerten Arbeitsbedingungen im Callcenter von Apple auch auf andere Abteilungen übertragen lassen, bleibt ungeklärt. In der Vergangenheit waren allerdings zumindest Apple-Zulieferer aufgrund der Zustände von Arbeitsrechtsorganisationen kritisiert worden.

Lesen Sie hier die Gerüchte zum neuen iPhone 8.

bau/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © AFP

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