App Store von Apple: Die Provision des iPhone-Herstellers bei kostenpflichtigen Diensten ist vielen Unternehmen ein Dorn im Auge.
+
App Store von Apple: Die Provision des iPhone-Herstellers bei kostenpflichtigen Diensten ist vielen Unternehmen ein Dorn im Auge.

Streit der Giganten

Apple: iPhone-Hersteller blockt Facebook-Update – Netzwerk befürchtet Mega-Einbruch bei Werbeerlösen

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
    schließen

Apple hat mit dem App Store ein neues Geschäftsmodell gegründet. Doch die Provisionen sind vielen Anbietern ein Dorn im Auge. Jetzt reiht sich auch Facebook in die Phalanx der App Store-Kritiker ein.

  • Apple hat mit dem App Store einen Volltreffer gelandet.
  • Bei jedem kostenpflichtigen Verkauf kassieren die Kalifornier mit.
  • Doch der App Store-Erfolg ist Unternehmen wie Facebook ein Dorn im Auge. Jetzt regt sich immer mehr Widerstand.

München – Der Streit zwischen Apple und Facebook spitzt sich weiter zu. Der iPhone*-Hersteller hat vor wenigen Tagen ein Update der Facebook-App abgelehnt, weil das soziale Netzwerk beim Verkauf von Online-Kursen auf die Provision von 30 Prozent Provision für Apple hinweisen wollte. Zur Begründung für den Schritt verwies Apple auf eine App-Store-Regel, die Anbietern die Ausspielung von „irrelevanten Informationen“ verwehrt.

Um dennoch die Freigabe für das Update zu erhalten, habe Facebook den Hinweis daher entfernen müssen, berichtet die Nachrichten-Agentur Reuters.

Laut Facebook sollten Klein-Unternehmer mit dem neuen Update eigentlich in die Lage versetzt werden, bezahlte Online-Events wie etwa Koch- oder Fitness-Kurse durchzuführen und abrechnen zu können.

Nach eigenen Angaben habe Facebook Apple im Vorfeld des Updates darum gebeten, auf die vorgesehene Provision von 30 Prozent zu verzichten, so dass beim Live-Streaming anfallende Erlöse vollständig bei den Influencern oder Klein-Unternehmen landen würden. Alternativ habe Facebook angeboten, die eigene Schnittstelle zur Bezahlung in die App integrieren zu dürfen. Beides habe Apple jedoch abgelehnt.

Man habe im geplanten Update daher einen entsprechenden „Transparenz-Hinweis“ vorgesehen, erklärte Facebook gegenüber Reuters. Danach sollte das Update den Vermerk erhalten, das „Apple sich immer 30 Prozent dieses Einkaufs“ nehme. Apple sperrte das geplante Update daher. Auch im Google Play Store musste Facebook den geplanten Hinweis vor der Freigabe entfernen.

Apple: Facebook sorgt sich wegen iOS-Update um Werbeerlöse

Facebook hatte in den vergangenen Wochen mehrfach harsche Kritik an Apple geübt. Der jüngste Streit entzündete sich an der Apples geplantem Betriebssystem iOS 14. Es könnte bereits in den nächsten Wochen freigeschaltet werden.

Das Betriebssystem für iPhone und iPad sieht unter anderem vor, dass alle Apps künftig zunächst immer abfragen müssen, ob die User dem Werbetracking in Apps zustimmen. Nur, wenn die Nutzer diese App-Anfrage ausdrücklich bejahen, darf das Programm auf die eindeutige Geräte-ID (Advertising Identifier) zugreifen.

Facebook und andere Anbieter nutzen die IDFA, um App-übergreifende Nutzerprofile zu erstellen und dann zielgenau Werbung auszuliefern. Sollte Apple an der geplanten Änderung bei der App-Freigabe festhalten, seien bis zu 50 Prozent der Werbeerlöse gefährdet, warnte Facebook bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen.

Apple macht sein Geschäft vor allem mit Hardware wie dem iPhone und Zubehör. Zuletzt hatte sich das Unternehmen immer stärker als Verfechter des Datenschutzes positioniert und sich damit von Datenkraken wie Facebook abgesetzt.

Apple: iPhone-Hersteller hat auch Ärger mit Fortnite-Entwickler Epic Games.

Facebook ist nicht das einzige Unternehmen, mit dem der iPhone-Hersteller derzeit ordentlich Ärger hat. Erst Mitte August hatte der Fortnite-Entwickler Epic Games ein Update veröffentlicht, um die Provisionen an Apple und Google zu umgehen. Beide Tech-Riesen hatten die entsprechenden Updates deshalb zügig aus ihren Stores entfernt. Epic reichte daraufhin vor einem Gericht in Kalifornien Klage gegen Apple und Google ein. Der Schritt befeuerte die Debatte, inwieweit große Plattformen die digitale Welt bestimmen können.  

Erst im März hatte Spotify eine Beschwerde gegen Apple wegen der 30-Prozent-Provision im App Store eingereicht. Apple hatte die Vorwürfe vehement zurückgewiesen und Spotify vorgeworfen, mit irreführenden Zahlen zu operieren.

Der Konzern kassiert nur dann mit, wenn die Entwickler digitale Waren oder Dienste über ihre App verkaufen. Dann sind für Verkäufe 30 Prozent fällig. Bei Abos kassieren die Kalifornier im ersten Jahr ebenfalls 30 Prozent. Nach dem ersten Jahr ist Apple dann jeweils noch mit 15 Prozent dabei. Laut Apple sind allerdings 84 Prozent der im App Store verfügbaren Programme komplett kostenlos – für die Entwickler und die Nutzer. Auch Apple erhält für diese Anwendungen keine Vergütung. *Merkur.de ist Teil des Ippen Digitalnetzwerks.

Auch interessant

Kommentare