Apple stärkt Standort München - Sorge in der Stadt wächst: „Gering- und Normalverdiener werden verdrängt“

Apple investiert massiv in sein Entwicklungszentrum in München. Das ruft auch Kritiker auf den Plan: Die Sorge um bezahlbaren Wohnraum in München steigt.
München - Apple wird am Standort München eine weitere Milliarde Euro in sein Europäisches Zentrum für Chip-Design investieren. Das kündigte der kalifornische Technologiekonzern am 2. März in der bayerischen Landeshauptstadt an. Der Investitionsentscheidung ging ein Immobiliendeal mit dem Freistaat voraus. Anfang Februar genehmigte der Haushaltsausschuss des Landtags einen der teuersten Grundstücksverkäufe in der Geschichte Bayerns. Ein begehrtes Areal in der Innenstadt, das seit 2017 ungenutzt war, ging für 250 Millionen Euro an Apple.
Die Investition Apples soll Geld in die Stadtkasse spülen, wird aber auch kritisch gesehen: „Durch Ansiedlungen wie die von Apple verschärft sich die Lage auf dem Münchner Wohnungsmarkt weiter, denn die gutverdienenden Mitarbeitenden werden in der Stadt wohnen wollen und Gering- und Normalverdienende verdrängen“, sagt Beatrix Zurek, Vorsitzende des Mietervereins München gegenüber Merkur.de.
Münchener Wohnungsmarkt: Mieten in zwei Jahren um 21 Prozent gestiegen
Die Lage am Münchener Wohnungsmarkt sei angespannt. Und das treffe mittlerweile nicht nur Geringverdienende, sondern auch die Mittelschicht, erklärt Zurek. Der neue Mietspiegel zeigt, dass Mietpreise in München in den vergangenen zwei Jahren um 21 Prozent gestiegen sind. Und das ist problematisch, so Zurek: „Denn der Mietspiegel stellt die ortsübliche Vergleichsmiete in München dar. Mit ihm kann eine Mieterhöhung begründet werden, er ist die Rechengrundlage für die Grenzen, die die Mietpreisbremse zieht. Hunderttausenden Mieter*innen in München droht eine weitere, saftige Mieterhöhung.“
„Durch die hohen Zinsen wird die Lage noch verschärft: Menschen, die vor dem Zinsanstieg eine Eigentumswohnung kaufen wollten, halten sich zurück und der Mietwohnungsmarkt wird zusätzlich enger“, sagt auch Tilman Schaich von der Bürgerinitiative „ausspekuliert“.
Mieterbund: Immo-Deal des Staates Bayern ist ein Fehler
Zurek und Schaich sehen beim Vorgehen des Freistaats einen Fehler: „Zuerst ist festzuhalten: Der Freistaat hätte das Grundstück an Apple nicht verkaufen, sondern in Erbpacht überlassen müssen. Boden ist nicht vermehrbar und von der öffentlichen Hand nicht vollständig aus der Hand zu geben“, so Zurek.
„Grund und Boden, der dem Bund, dem Freistaat oder der Stadt gehört, sollte generell nur in Erbpacht auf einen bestimmten Zeitraum vergeben werden. Somit wäre gesichert, dass der Boden wieder in die öffentliche Hand zurückgehen kann“, meint Schaich.
Lösung: Bezahlbarer Wohnraum
Auch bei der Frage, wie München als Wirtschaftsstandort weiter attraktiv bleiben kann, ohne dass die Mietpreise in die Höhe schießen, sind sich Beatrix Zuarek und Tilman Schaich einig. Es muss bezahlbarer Wohnraum her. „Wir brauchen die Übernahme von mehr Verantwortung durch alle großen Unternehmen durch neuen Werkswohnungsbau, der wo möglich auch verpflichtend auferlegt wird“, schlägt die Vorsitzende des Mietervereins München vor.
Tilman Schaich von der Bürgerinitiative „ausspekuliert“ sieht das ähnlich: „Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum auf diesen Grundstücken sollte zu einem bestimmten Teil verpflichtend sein. Das würde zusätzlich zu der hochgelobten ‚Münchner Mischung‘ beitragen, die zusehends verloren geht.“
Apple: Wohnraum Investitionen im Silicon Valley
Im Silicon Valley investieren bereits mehrere dort ansässige Tech-Unternehmen in bezahlbaren Wohnraum. Facebook und Google investieren seit 2019 in Bauprojekte, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Auch Apple investiert in der kalifornischen Heimat seit 2019 2,5 Milliarden Dollar.
Eine Milliarde Dollar sollten damals in einen Fonds des Bundesstaates Kalifornien fließen, um den Bau von neuen Häusern für Menschen mit niedrigen oder mittelhohen Einkommen zu finanzieren. Eine weitere Milliarde Dollar sollte dazu beitragen, dass Personen, die ihre erste Immobilie erwerben möchten, unterstützt werden. Gemeinsam mit dem Bundesstaat wollte Apple sicherstellen, dass auch Service-Mitarbeiter, Lehrer und ehemalige Militärangehörige in der Lage sind, sich ein eigenes Zuhause leisten zu können. 2021 berichtete jedoch die Wirtschafts-Webseite Bloomberg, dass Apple talentierte Mitarbeiter verliere, die sich die Lebenshaltungskosten im Silicon Valley nicht leisten konnten.