Feuer unterm Dach

Apple: Homeoffice-Zoff beim iPhone-Hersteller - Mitarbeiter gehen nach Chef-Ansage auf die Barrikaden

  • Markus Hofstetter
    vonMarkus Hofstetter
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Nach dem Willen von Apple-Boss Tim Cook sollen die Angestellten ab September wieder drei Tage die Woche zurück ins Büro - mindestens. Viele Mitarbeiter finden das gar nicht gut.

Cupertino - Vergangenen Mittwoch, dem 2. Juni, schrieb Tim Cook eine E-Mail an seine Angestellten. Darin forderte der Apple-Chef eine Rückkehr zur Normalität, wenigstens teilweise. Die Mitarbeiter sollen ab September wieder in ihre Büros zurückkehren, und zwar am Montag, Dienstag und Donnerstag. An den anderen Tagen soll mit Zustimmung des Vorgesetzten Homeoffice möglich sein. Teammitglieder sollen sogar vier bis fünf Tage vor Ort sein, wenn es nicht anders möglich ist.

„Trotz allem, was wir erreicht haben, während viele von uns getrennt waren, die Wahrheit ist, dass etwas Wichtiges im vergangenen Jahr gefehlt hat: das Miteinander“, zitiert das Portal The Verge aus Cooks Email. „Einfach gesagt, ich freue mich darauf, wieder Eure Gesichter zu sehen.“ Die Ankündigung kam eigentlich nicht überraschend. Denn bereits im vergangenen Dezember sagte Cook, die Möglichkeit bestehe, dass ab Juni wieder in den Büros gearbeitet werde.

Apple-Mitarbeiter rebellieren gegen Anwesenheitspflicht: ungehört und ignoriert

Doch bei den Apple-Mitarbeitern scheint sich Widerstand gegen die Anwesenheitspflicht zu regen. Das geht aus einem Brief an die Unternehmensleitung hervor, den The Verge veröffentlichte. Ohne die Flexibilität beim Arbeiten, heißt es in dem Schreiben, hätten „viele von uns das Gefühl, sich zwischen einer Kombination aus unseren Familien, unserem Wohlbefinden und der Möglichkeit unseres Bestes zu geben oder unserer Apple-Zugehörigkeit entscheiden zu müssen.“

Zugleich warfen die Autoren dem Konzern vor, nicht fair zu kommunizieren. Es seien Botschaften wie „Wir wissen, dass viele von Ihnen gerne wieder persönlich mit Ihren Kollegen im Büro zusammenkommen wollen“ verbreitet worden. Dabei gebe es auch andere Stimmen. Man wisse zwar die Bemühungen des Konzerns für ein hybrides Arbeiten zu schätzen, doch gebe es Zweifel, ob das die Bedürfnisse der Beschäftigten abdecke.

Apple-Mitarbeiter rebellieren gegen Anwesenheitspflicht: trotz Homeoffice viel erreicht

In dem Brief wird angeführt, was während der Corona-Pandemie trotz Homeoffice alles erreicht worden sei. Zwei größere Versionen aller Betriebssysteme wurden entwickelt, zwei WWDCs veranstaltet, viele neue Produkte und der Apple-eigene Chipsatz eingeführt. Der Kundenservice sei genauso gut gewesen wie zuvor. Die Mitarbeiter fordern deshalb eine autonome Entscheidung über den Ort des Arbeitens.

Zwar ist nicht bekannt, wie viele Apple-Mitarbeiter hinter dem Brief stehen. Auch eine Reaktion der Unternehmensführung steht noch aus. Doch Apple steht im Wettbewerb um die besten Köpfe. Andere Arbeitgeber wie Twitter und Facebook überlassen es ihren Mitarbeitern, nach der Pandemie im Homeoffice weiterzuarbeiten. Google rechnet damit, dass nach der Corona-Pandemie rund jeder fünfte Beschäftigte des Konzerns dauerhaft von zu Hause aus arbeiten wird.

Rubriklistenbild: © Ng Han Guan

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