Zu alt für die Arbeit: Betriebe wollen keine Mitarbeiter über 49

- München - Fast jeder sechste Betrieb stellt aus Prinzip keine Menschen über 49 ein. Ältere werden auf dem Arbeitsmarkt gezielt diskriminiert. Das ist ein Ergebnis einer unveröffentlichten Studie, die unserer Zeitung vorliegt. Gleichzeitig droht dem Arbeitsmarkt entgegen bisheriger Prognosen Überalterung.

<P>Der demographische Wandel in Deutschland werde auch auf mittlere Sicht die Arbeitslosigkeit nicht eindämmen, schreiben die Autoren des IAB-Betriebspanels, dessen Ergebnisse im Herbst vorgestellt werden sollen. Zu rechnen sei statt dessen bis 2020 mit einer "beschleunigten und massiven Alterung des Erbwerbspersonen-Potenzials". Darauf seien die Betriebe und der Arbeitsmarkt nicht vorbereitet.<BR><BR>Vor diesem Hintergrund wirken die Daten der Betriebsbefragung fatal. 16 Prozent der Firmen in Bayern bekennen sich offen dazu, "keinesfalls" Mitarbeiter ab 50 einzustellen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen: "Welcher Betrieb gibt schon gerne ein solches Verhalten zu?", fragen die Autoren.<BR><BR>Vier Experten vom Landesarbeitsamt und dem Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (Inifes) arbeiteten die bayerischen Ergebnisse der bundesweiten Untersuchung heraus. Die bayerische Altersdiskriminierung ist demnach kein Sonderfall. Fast jedes zehnte Unternehmen in Deutschland würde zudem Mitarbeiter ab 50 nur einstellen, wenn es keine jüngeren Kandidaten gäbe, sechs Prozent der Firmen nur mit befristetem Vertrag.<BR><BR>Bisher sind deutschland- und bayernweit nur in sechs von zehn Betrieben ältere Arbeitnehmer beschäftigt. In Südbayern ist der Anteil übrigens deutlich höher als im Rest Deutschlands. Dennoch nicht ausreichend - die Autoren der Studie mahnen eine "Abkehr von der jugendzentrierten Personalpolitik und vom Jugendwahn" an. Eine "alternsgerechte Personalpolitik" sei zwingend erforderlich, mahnen die Experten um den Inifes-Professor Ernst Kistler.<BR><BR>"Ich warne vor diesem deutschlandweiten Jugendwahn", sagt auch Bayerns Arbeitsministerin Christa Stewens (57, CSU). Die Betriebe sollten auf Fachwissen und Sozialkompetenz älterer Mitarbeiter setzen. Flexiblerer Kündigungsschutz, etwa mit einer Abfindungs-Wahlmöglichkeit für Ältere, könne helfen: "Diese Barriere müssen wir wegräumen." Auch bei der Weiterbildung müssten über 50-Jährige stärker zum Zug kommen - sich aber auch stärker einbringen.<BR><BR>Gleichzeitig räumt die Studie mit dem angeblich drohenden Fachkräftemangel auf. Der sei "weit überschätzt". Statt eines Mangels droht demnach offenbar weiterhin ein Arbeitskräfte-Überschuss, der "keinesfalls" abschmelzen werde.<BR><BR>Bayern steht damit vor besonderen Problemen - hier kommt auch die Migration hinzu. Die Studie hat ergeben, dass Bayern aus jedem anderen Bundesland mehr Zuwanderer als Abwanderer hat. Binnen einen Jahres wanderten 100 000 mehr in Bayern ein als aus, hinzu kommen noch einmal so viele Einpendler aus den neuen Bundesländern.<BR><BR>Passend zu den Arbeitsmarkt-Prognosen des Panels fordert Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt tiefere Einschnitte beim Arbeitslosengeld - was vor allem Ältere treffen würde. Die Unterstützung solle nurmehr zwölf Monate lang gezahlt werden. Für über 55-Jährige dürfe es keine Ausnahmen geben.</P>

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