Beschäftigte im Dauerstress

Deutsche arbeiten mehr und flexibler

Berlin - Die Menschen in Deutschland müssen immer mehr arbeiten. Gleichzeitig wird von ihnen immer mehr Flexibilität gefordert. Für viele wird das zu einer Belastung, die krank macht.

In Deutschland arbeiten die Menschen mehr und flexibler als vor 15 Jahren. Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes musste im vergangenen Jahr fast ein Viertel (24,5 Prozent) aller Beschäftigten auch samstags arbeiten. 1996 waren es nur 18,8 Prozent. Auch der Anteil der Nachtarbeiter erhöhte sich in den 15 Jahren von 6,8 auf 9,6 Prozent, wie das Amt am Montag in seinem neuen Indikatorenbericht zur Qualität der Arbeit berichtete.

Ein großer Trend in dem Zeitraum war die Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung von 14 auf 27 Prozent, die dazu führte, dass die durchschnittliche Arbeitszeit aller Erwerbstätigen auf 35,5 Stunden sank. Das waren fast drei Stunden weniger als unmittelbar nach der Wiedervereinigung. Menschen in vollen Jobs mussten hingegen länger arbeiten: Arbeitnehmer legten im Schnitt 40 Minuten auf 40,7 Stunden drauf, was leicht über dem EU-Wert von 40,4 Stunden lag. Am niedrigsten war die Arbeitszeit EU-weit in Dänemark mit 37,7 Stunden sowie in Irland und Norwegen mit jeweils 38,4 Stunden. Die höchste Wochenarbeitszeit gab es in Großbritannien mit 42,2 Stunden und in Österreich mit 41,8 Stunden.

Die verrücktesten Fälle vor dem Arbeitsgericht

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Teilzeit ist in Deutschland zu rund 80 Prozent Sache der Frauen, die meist (54 Prozent) wegen der Familie beruflich kürzertreten. Der Anteil der unfreiwilligen Teilzeitbeschäftigten, die also eigentlich einen vollen Job suchen, ist seit 2010 wieder deutlich auf nun 16 Prozent gesunken. Im Jahr 1992 suchte hingegen nur jeder 20. Teilzeitbeschäftigte (5 Prozent) einen Vollzeitjob. Je mehr Kinder zu versorgen sind, desto seltener sind die Mütter zusätzlich noch erwerbstätig, stellten die Statistiker fest. So ist von Müttern mit drei oder mehr Kindern nur knapp jede Vierte (24,5 Prozent) im Job.

Von 100 Frauen hatten 46 im Jahr 2011 eine bezahlte Arbeit. Bei einem Bevölkerungsanteil von 51 Prozent sind sie damit zwar immer noch am Arbeitsmarkt unterrepräsentiert, holen aber auf. 1991 standen erst 42 Prozent im Erwerbsleben. Vor allem ältere Frauen suchten sich neue Jobs.

Weiterhin Nachholbedarf gibt es bei den Führungskräften, unter denen der Frauenanteil trotz Wachstums nur 30 Prozent betrug. In den akademischen Berufen stieg der Frauenanteil seit 1992 um 9 Punkte auf nun 44 Prozent. Seit 2002 nahezu unverändert lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst der Frauen um 23 Prozent niedriger als der der Männer.

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An ihren Arbeitsplätzen schätzen die Deutschen unverändert Beständigkeit: Knapp die Hälfte ist seit mehr als zehn Jahren bei ihrem aktuellen Arbeitgeber. Rückläufig ist aber die Tarifbindung: Nur noch für 61 Prozent (1998: 76 Prozent) der Arbeitnehmer im Westen und 49 Prozent (1998: 63 Prozent) im Osten sind die Kollektivverträge über Entgelt und Arbeitsbedingungen verbindlich. Nur 43 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft waren durch einen Betriebsrat vertreten.

Gestreikt wurde im Boomjahr 2011 selten wie nie: Mit 1,9 ausgefallenen Arbeitstagen je 1000 Beschäftigte lag der Wert deutlich unter dem langjährigen Mittel von vier Tagen und damit auch in der EU am untersten Ende der Spanne.

Etwa jeder elfte Arbeitsvertrag ist befristet (Anstieg von 5,8 Prozent im Jahr 1991 auf 9,0 Prozent), was junge Arbeitnehmer und Jobwechsler überdurchschnittlich häufig trifft. Knapp die Hälfte sagt, dass sie den befristeten Job nur angenommen hat, weil keine Dauerstelle zu kriegen war. Die anderen nannten einen Probevertrag als Grund oder waren in Ausbildung.

Fehlzeiten-Report 2012 gibt beunruhigende Zahlen preis

Der vergangene Woche veröffentlichte Fehlzeiten-Report 2012 der Krankenkasse AOK hat ergeben, dass die Grenzen zwischen Job und Privatleben heute für Millionen Menschen immer mehr verschwimmen. Für Arbeitnehmer ergibt sich daraus eine enorme Belastung.

Geringfügig Beschäftigte, Selbstständige, Leiharbeiter - jeder vierte der 41,5 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland arbeitet in früher untypischen Verhältnissen. Rufbereitschaft leistet jeder Fünfte. Fast jeder Zweite ist grundsätzlich außerhalb der Arbeitszeit erreichbar.

Der Report schlägt mit einer Reihe beunruhigender Zahlen Alarm: 32 Prozent machen häufig Überstunden, 20 Prozent oft Samstagsarbeit, 14 Prozent arbeiten oft an wechselnden Orten. 21 Prozent fühlen sich im Gegenzug häufig erschöpft, 20 Prozent können in der Freizeit oft nicht mehr abschalten, 16 Prozent sind oft lustlos. Unter Schlafstörungen leiden 15 Prozent - 14 Prozent bezeichnen sich als reizbar.

Eindringlich plädieren die Autoren des Reports für mehr Selbstorganisation und Gesundheitsvorsorge. Auch Unternehmen müssten aber immer stärker darauf achten, ihre Beschäftigten vor dem Ausbrennen zu schützen. Stabilität heißt das Zauberwort: Stringente Planung und längerfristige Perspektiven schaffe Sicherheit.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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