Arbeit genug, aber kein Geld: Mit Ich-AG kann es weitergehen

- Weilheim - Das Geld für eine Festanstellung fehlt, Arbeit gibt es aber mehr als genug. Keine unbekannte wirtschaftliche Situation. Auch dem Kolping Bildungswerk in Weilheim ging es so. Die ehemals fest angestellte Dozentin für EDV-Schulungen, Marion Bombach, suchte nach einer Lösung und fand sie in der Ich-AG. Jetzt hat sie viel zu tun. Ihre Kurse, die sie Arbeitsuchenden in den Räumen des Kolping Bildungswerks in Bad Tölz gibt, sind gut besucht.

<P>Von Montag bis Freitag ist sie von 8 bis 15 Uhr beschäftigt. An diesem Freitag sitzen ihre Schüler - vom jungen gestylten Anfang-Zwanziger bis zur klassisch gekleideten Frau Mitte fünfzig - vor den Flachbildschirmen und wiederholen, was sie vergangene Woche gelernt haben: einen Serienbrief zu erstellen und anschließend verschiedene Änderungen am Layout vorzunehmen. Marion Bombach geht im Raum herum, schaut ihren Schülern über die Schulter und gibt den einen oder anderen Tipp. Locker geht es bei der 41-Jährigen zu. Mit kecken Sprüchen hält sie die 16 Männer und Frauen bei Laune und bietet hilfsbereit an, sich Bewerbungsschreiben anzuschauen. Auch den Laserdrucker dürfen die Arbeitsuchenden benutzen. <BR><BR>Der Weg zur Gründung ihrer Ich-AG war kein Zufall. "Ein Schritt hat sich aus dem anderen ergeben", sagt die gebürtige Ostfriesin, die schon seit 25 Jahren in Oberbayern lebt. Nachdem sie zehn Jahre zu Hause war, um ihre beiden Kinder großzuziehen, hat die gelernte Datenassistentin Anfang der 90er-Jahre einen EDV-Wiedereinstiegskurs des Kolping Bildungswerks bei der Weilheimer Agentur für Arbeit absolviert. Dabei stellte sie sich so geschickt an, dass die Dozentin sie prompt fragte, ob sie nicht auf freier Basis für den staatlich anerkannten Träger der Erwachsenenbildung arbeiten wolle. Sie wollte und absolvierte eine pädagogische Ausbildung. Im Jahr 2001 bekam sie schließlich einen zweijährigen Zeitvertrag. <BR><BR>Als eine Verlängerung wegen der schlechten Finanzlage nicht in Betracht kam, setzte sich Bombach mit ihrem ehemaligen Chef zusammen. "Er war es, der mir den Denkanstoß für die Gründung der Ich-AG gegeben hat." Die Idee, wieder auf freier Basis für das Kolping Bildungswerk zu arbeiten, hat ihr sehr gefallen. Sechs Wochen nach Beginn ihrer Arbeitslosigkeit gründete sie Ende Oktober vergangenen Jahres ihr Unternehmen. "Ich hatte noch einen Gewerbeschein, musste also nur den Antrag beim Arbeitsamt abgeben", sagt sie.<BR><BR>Die Bestätigung für ihre Ich-AG und damit auch der erste Zuschuss haben neun Wochen auf sich warten lassen. Ärgerlich fand sie das zwar, aber nicht so ärgerlich wie die Tatsache, dass die BfA erst Ende April rückwirkend die Rentenbeiträge gefordert hat. "Das war dann mit 1400 Euro ein Riesenbatzen auf einmal", sagt Bombach. <BR><BR>So gut alles bei ihr läuft, empfehlen kann sie die Ich-AG nur bedingt. "Sie ist gut, um einfach mal eine Geschäftsidee auszuprobieren. Aber wer eine Familie zu ernähren hat, für den kommt sie wegen der Verdienstgrenze von 25 000 Euro sicherlich nicht in Betracht." Für Marion Bombach allerdings war der Existenzgründerzuschuss perfekt: "Mir ging es darum, dass meine Sozialbeiträge zunächst abgedeckt sind und ich nicht erst einmal meine Kranken- und Rentenversicherung erarbeiten muss." <BR><BR></P>

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