Arbeit lohnt sich doch mehr als Hartz IV

Berlin - Eine Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zeigt, wer in Deutschland Vollzeit arbeitet, hat auch als Geringverdiener mehr Geld zur Verfügung als Hartz-IV-Empfänger.

Geringverdiener haben einer Studie zufolge mehr Geld zur Verfügung als Hartz-IV-Empfänger. Selbst bei Stundenlöhnen unter sechs Euro hätten sie mehr Geld in der Tasche, heißt es in einer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband am Montag in Berlin präsentierten Untersuchung. Je nach Haushaltstyp betrage der Abstand zwischen 260 und 900 Euro.

50 Fakten über Hartz IV

50 Fakten über Hartz IV

Eine besondere Rolle spielten in diesem Zusammenhang das Wohngeld und der Kinderzuschlag, die in vielen Fällen ein Aufstocken durch Hartz IV überflüssig machten. Der Bundesgeschäftsführer der Volkssolidarität, Bernd Niederland, sagte, die Expertise räume gründlich mit dem weit verbreiteten Vorurteil auf, “dass die Hartz-IV-Leistungen gegen das Lohnabstandsgebot verstoßen“.

Das Material belege, dass mit falschen Behauptungen versucht werde, Bezieher von Sozialleistungen und Geringverdiener gegeneinander auszuspielen. Solche Vorurteile vergifteten das soziale Klima und sollten offenbar Kürzungen im Sozialbereich vorbereiten. Der gewerkschaftspolitische Sprecher der Linksfraktion, Werner Dreibus, sagte, die Expertise entlarve die von FDP-Chef Guido Westerwelle entfachte Debatte “um angeblich zu hohe Hartz IV-Sätze als reinen Populismus und Volksverdummung ohne jede reale Grundlage“.

DGB-Chef Michael Sommer kritisierte, Westerwelle habe die Schwächsten der Schwachen instrumentalisiert. Wer an den Sozialstaat Hand anlege, “der muss wissen, dass es genug Kräfte gibt, die den Sozialstaat verteidigen“. Dagegen gab der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Andreas Pinkwart in der “WirtschaftsWoche“ Westerwelle Rückendeckung. “Er hat es zugespitzt, aber das ist auch notwendig“, meinte Pinkwart.

Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) bezeichnete die aktuellen Hartz-Sätze als ausreichend, warf Westerwelle jedoch in der Sozialstaatsdebatte geistige Armut vor. Westerwelles Vergleich zwischen staatlichen Leistungen für Langzeitarbeitslose und spätrömischer Dekadenz sei ein “völlig misslungenes Bild“, das dem Vizekanzler ein “intellektuelles Armutszeugnis ausstelle“, sagte der Bundesbank-Vorstand der “Süddeutschen Zeitung“.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Studie belegt Folgen von Diesel-Abgasen
Dürfen Städte Dieselautos aussperren, um die Luft sauber zu kriegen? Oder müssen sie sogar? Politik und Autofahrer schauen nach Leipzig - da hat die Justiz das Wort. …
Studie belegt Folgen von Diesel-Abgasen
Tarifabschluss steht - Aufatmen bei 120.000 VW-Beschäftigten
Der Weg war steinig - erstmals seit Jahren Warnstreiks, dazu nächtliche, stundenlange Verhandlungen. Doch jetzt steht der Tarifvertrag für 120.000 VW-Beschäftigte, …
Tarifabschluss steht - Aufatmen bei 120.000 VW-Beschäftigten
Brüssel verhängt Millionenstrafe gegen Bosch und Continental
Wenn Preise abgesprochen werden, zahlt am Ende oft der Verbraucher drauf. Wettbewerbskommissarin Vestager nimmt erneut die Autobranche ins Visier - und will auch künftig …
Brüssel verhängt Millionenstrafe gegen Bosch und Continental
Broadcom senkt Gebot für Qualcomm nach NXP-Aufschlag
San Jose (dpa) - Im Ringen um die bisher teuerste Tech-Übernahme hat der Chipkonzern Broadcom sein Gebot für den Konkurrenten Qualcomm leicht gesenkt.
Broadcom senkt Gebot für Qualcomm nach NXP-Aufschlag

Kommentare