"Arbeitgeber des Jahres": Bayerns Mittelstand ganz vorn dabei

- München -­ Kleine Unternehmen können sich nicht unbedingt einen Betriebskindergarten leisten oder ihre Mitarbeiter großzügig für Fortbildungslehrgänge freistellen. Dennoch sind viele mittelständische Unternehmen vorbildliche Arbeitgeber. 100 von ihnen wurden am Freitagabend in Zusammenarbeit mit der Schweizer Universität St. Gallen als "Top Job-Unternehmen 2007" ausgezeichnet.

Die bayerische Weißbierbrauerei Schneider wurde als der "Arbeitgeber des Jahres 2007" ausgezeichnet. "Statt kurzlebige Trendprodukte zu entwickeln oder massiv zuzukaufen, um Marktanteile hinzuzugewinnen, setzt unser Arbeitgeber des Jahres konsequent auf seine Mitarbeiter und eine klare Unternehmensvision", lobte Jurymitglied Daniel F. Pinnow, Geschäftsführer der Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft. "Als Spezialitätenhersteller setzen wir besonders auf hohe Qualität. Und die kann man nur mit qualifizierten und motivierten Mitarbeitern erreichen", erklärt eine Schneider-Sprecherin. Deshalb investiere man besonders in Fortbildung der rund hundert Beschäftigten und pflege ein familiäres Betriebsklima. Das zahle sich für das Unternehmen aus. Die Fluktuation des Personals sei minimal, teilweise seien Familien in dritter Generation für Schneider tätig. Auch über das Arbeitsleben hinaus blieben die Mitarbeiter dem Unternehmen verbunden, etwa über einen Stammtisch der Betriebsrentner.

Nur 34 Mitarbeiter beschäftigt die Securetec Detektionssysteme AG in Brunnthal südlich von München, die Nummer eins in der Kategorie "Familien- und Sozialorientierung" unter den Teilnehmern von Top Job. Die Firma ­ eine Ausgründung der alten MBB, dann Dasa ­ stellt Geräte für biochemische Drogentests her. "Dazu brauchen wir gut ausgebildete Leute", sagt Wilfried Hunold, Finanzvorstand der Gesellschaft. Und da es eine ganze Reihe von hervorragenden Frauen gibt, die Schwierigkeiten haben, Beruf und Karriere unter einen Hut zu bringen, kommt ihnen die Firma mit sehr flexiblen Arbeitszeitregelungen entgegen. Einen Betriebskindergarten habe das Unternehmen zwar nicht, aber "bei uns laufen auch schon mal Kinder durch den Gang, wenn die Mitarbeiterinnen sie nicht haben unterbringen können", sagt Hunold. Etwa die Hälfte der Belegschaft ist weiblich.

Auch die Enocean GmbH aus Oberhaching hat es unter die Top 100 der besten Arbeitgeber geschafft. Grund dafür ist weniger die üppige Bezahlung. "Da können wir nicht mit der Großindustrie mithalten", sagt Markus Brehler, Geschäftsführer des jungen Elektronik-Unternehmens in Oberhaching. Sondern vielmehr die Maxime: "Wir behandeln die Mitarbeiter so, wie wir selber gerne behandelt worden sind oder wären."

Brehler und die anderen vier Unternehmensgründer arbeiteten vorher bei Siemens und machten als Angestellte des Riesenkonzerns nicht nur gute Erfahrungen. In der eigenen Firma läuft das anders: Flache Hierarchien, Eigenverantwortung, Offenheit und wenig Bürokratie. "Jeder weiß bei uns, was los ist, jeder kennt die Geschäftszahlen", sagt der 43-jährige Enocean-Chef, bei dem die Bürotür fast immer offen steht. "Das schafft eine hohe Zufriedenheit."

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