Arbeitsagenturen: Nicht alle sind sparsam genug

- München - Die in Arbeitsagenturen umbenannten Arbeitsämter investieren mit höchst unterschiedlichem Erfolg in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM), Lohnzuschüsse oder Weiterbildungsmaßnahmen. Während die Agentur Berlin-Mitte im Jahr 2003 durchschnittlich 38 000 Euro ausgeben musste, bis ein Arbeitsloser mit Hilfe solcher arbeitsmarktpolitischer Instrumente einen Job fand, brauchten die Vermittler in Siegen nur 7300 Euro. Auch in Bayern gibt es krasse Unterschiede, wie aus einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervorgeht: Mit 13 950 Euro ist Würzburg am sparsamsten, während München und Freising fast doppelt so viel benötigten.

"Das liegt vor allem an der unterschiedlichen Effizienz der eingesetzten Instrumente", sagte der Autor der Studie, Holger Schäfer, gegenüber unserer Zeitung. Nach seiner Einschätzung schneiden gerade die Agenturen schlecht ab, die viel in ABM-Maßnahmen investieren, in deren Rahmen Arbeitslose etwa öffentliche Grünflächen säubern müssen. "Das kostet viel und bringt nichts", so der Arbeitsmarktexperte. Lohnkostenzuschüsse seien hingegen wesentlich effizienter.

Schäfer betont jedoch, dass die absolute Höhe der Gesamtausgaben nicht zwingend einen Schluss auf die Qualität der Vermittlungsarbeit der Arbeitsagenturen zulässt. "In Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit ist es schwieriger und daher teurer, einen Arbeitslosen unterzubringen", erklärt er. Das bestätigt Eugen Hain, Leiter der Würzburger Arbeitsagentur, auf Anfrage: "Wir schneiden auch deswegen gut ab, weil wir einen guten Arbeitsmarkt haben."

Die Quote macht aber nicht alles. So wendet der Bezirk Freising, der wegen seiner Nähe zum Münchner Flughafen den bundesweit geringsten Erwerbslosenanteil hat, wesentlich mehr für aktive Arbeitsmarktpolitik auf als Würzburg. Das hat laut dem Bereichsleiter operative Angelegenheiten in der dortigen Agentur, Robert Maier, aber nichts damit zu tun, dass die Vermittler dort weniger effektiv arbeiten. "Wir haben eine der höchsten Erfolgsquoten in Bayern", sagt er. Die hohen Ausgaben seien darauf zurückzuführen, dass etwa wegen des höheren Einkommensniveaus Maßnahmen, die sich an der Höhe des letzten Gehalts bemessen, teurer kommen.

Dennoch räumt die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg ein, dass nicht alle Agenturen ihre Mittel gleichermaßen sinnvoll ausgeben. "Es gibt welche, die mit viel Geld weniger erreichen als andere", sagt Sprecherin Ilona Mirtschin. Allerdings weist sie darauf hin, dass seit Ende 2003 verstärkt auf die Kosten geachtet wird. So seien die Ausgaben für ABM gekürzt worden - was auch Holger Schäfer anerkennt, dem Daten für 2004 nicht zur Verfügung standen: "Es tut sich was", sagt er. "Aber es gibt noch Verbesserungsbedarf."

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