Arbeitsamt der Zukunft: "Von der freien Wirtschaft abgeschaut"

- München - Lange Schlangen, volle Flure, verschlossene Türen, Anrufe im Kampf mit dem Besetztzeichen - das soll bald vorbei sein. Die Arbeitsämter müssen sich bis Mitte des nächsten Jahres neu aufstellen. Die meisten werden nicht wiederzuerkennen sein, heißt es bei der Bundesanstalt, pardon, Bundesagentur in Nürnberg.

<P>Für Betroffene klingt es ungewohnt, den Mitarbeitern geht das Wort "Kunden" aber flott über die Lippen. Das ist nicht nur Formsache: Der Kunde, der auf Arbeitssuche ist, soll kein Dauergast sein. Zwei Besuche maximal, umreißt man in Nürnberg die Zielvorstellung. Man hat dann vielleicht noch keinen Job, wird aber für die "Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt" trainiert. Regelmäßiges Rumsitzen in den Fluren ist dann nicht mehr nötig. </P><P>Keine Warteschlangen auf den Fluren</P><P>Das Profil des Kunden ist im virtuellen Arbeitsamt zu finden, wo Unternehmen Mitarbeiter suchen können. Jede zweite Arbeitsvermittlung will man in zwei Jahren über das Internet abwickeln.<BR><BR>Auch der Besuch selbst wird anders ablaufen: Anlaufstelle sind Service-Center. Nur wo diese nicht helfen können, werden spezialisierte Sachbearbeiter eingeschaltet. Dafür aber muss immer ein Termin vereinbart werden. Der Mitarbeiter des Amtes kann sich vorbereiten und nimmt sich die festgesetzte Zeit für den Kunden.<BR><BR>Mitte des nächsten Jahres wird mit der Umstellung der Ämter in München, Freising, Weilheim und Rosenheim begonnen, heißt es in Nürnberg. Doch in der Nähe hat die Zukunft der Arbeitsvermittlung bereits begonnen. Das Augsburger Arbeitsamt ist eines von zehn Modellämtern, die vorpreschen. </P><P>Bereits am 1. Dezember wird dort das Service-Center öffnen. "Ähnlich wie ein Call Center", beschreibt Rolf von Bönninghausen, Chef des einzigen bayerischen Modellamtes, die Kundenanlaufstelle. Es müsse aber mehr leisten. Ein Großteil der Kundenanliegen würden dort erledigt. Das schafft woanders Spielraum. Die Vermittler sollen künftig 80 % ihrer Arbeitszeit für die Kernaufgaben Beratung und Vermittlung einsetzen.<BR><BR>Was sich hinter den Kulissen verändert, bekommen die Kunden nicht direkt zu spüren. Kundenorientierung ist das Motto der Umstellung. Wie soll das aussehen? Mitarbeiter spezialisieren sich auf bestimmte Zielgruppen. Bereits Anfang 2003 wurde in Augsburg ein Team von Vermittlern gebildet, das arbeitgeberorientiert arbeitet. Sucht ein Unternehmen Mitarbeiter, hilft das Team. Es fragt nach Anforderungen und Wünschen, sucht passende Bewerber und fragt hinterher, wie es gelaufen ist.<BR><BR>Auch in anderer Hinsicht wird das Erreichte künftig systematisch überprüft. "Das Controlling-System haben wird in der freien Wirtschaft abgeschaut", sagt Bönninghausen, der deutlich bessere Ergebnisse erwartet - trotz schwierigen Umfelds: In Augsburg sei die Zahl der Arbeitslosen in zwei Jahren um 50 % gestiegen.<BR><BR>Die Umgestaltung ist nur ein erster Schritt. Auch die weiteren Stufen der Hartz-Reformen kommen. Wie, das steht in den Sternen. Denn die entscheidende Frage, wie die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zwischen Gemeinden und Ämtern aufgeteilt wird, gehört zu den Verschiebebahnhöfen im Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat.<BR></P>

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