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Post-Chef Frank Appel will beim Personal sparen, Arbeitszeiten der Beschäftigten verlängern und Lohnerhöhungen aufschieben. Verdi macht Front gegen diese Pläne.

Arbeitskampf droht: Post und Verdi im Konflikt

Bonn - Die Deutsche Post und Verdi bewegen sich auf eine harte Tarif-Auseinandersetzung zu. Schon die Themen sind zum Auftakt der Verhandlungen strittig.

Eigentlich soll es um künftige Regelungen für die Auslagerung von Zustelldiensten an billigere Fremdfirmen gehen. Doch Post-Vorstandschef Frank Appel will weitergehend beim Personal sparen und daher auch Arbeitszeiten der Beschäftigten verlängern und Lohnerhöhungen aufschieben. “Mit uns nicht“, sagt die Gewerkschaft und verweist auf gültige Tarifverträge, die nicht in Frage gestellt werden könnten.

Post-Manager: „Müssen über alles reden“

Die Post-Manager machten im Vorfeld der am Dienstag in Berlin begonnenen Verhandlungen Druck: “Wir müssen über alles reden.“ Sie drohten mit flächendeckender Fremdvergabe von Zustellaufträgen - und wollen dabei erstmals auch den Briefversand nicht aussparen. Bei Verdi spricht man von “Erpressung“ und rüstet sich auf Betriebsversammlungen für einen Arbeitskampf und “heißen Herbst“.

Eine schnelle Lösung wird nicht erreichbar sein, dafür sind die Positionen noch zu weit auseinander und verhärtet. Bereits drei weitere Verhandlungsrunden sind bis 6. November angesetzt. Verdi will die Muskeln spielen lassen. Rund 80 Prozent der rund 130 000 Tarif- Beschäftigten sind organisiert. Die Friedenspflicht läuft Ende Oktober aus. Größere Post-Warnstreiks gab es zuletzt im Frühjahr 2008, bevor dann nach zähen Verhandlungen ein Tarifvertrag zustande kam, mit dem in letzter Minute noch ein großer Streik abgewendet wurde.

Post-Chef: 40 statt 38,5 Wochenstunden

Nach den Vorstellungen von Post-Chef Appel sollen die Beschäftigten ohne Lohnausgleich künftig in der Woche 40 statt bisher 38,5 Stunden arbeiten und außerdem auf eine bereits zum Dezember tarifrechtlich vereinbarte Lohnerhöhung von drei Prozent erst einmal verzichten. Da diesen Plänen aber noch geltende Tarifverträge entgegenstehen, ist die Post hier auf das Mitziehen von Verdi angewiesen.

Appel sieht seinen Konzern durch die globale Wirtschaftskrise in Bedrängnis. Das globale Logistikgeschäft wurde in die Tiefe gerissen. Und noch bedeutsamer für die Gewinnaussichten: Das heimatliche Briefgeschäft schrumpft wegen des zunehmenden E-Mail-Verkehrs immer weiter und beim Briefversand schlagen besonders hohe Personalkosten zu Buche. Im Vergleich zur Konkurrenz zahlt die Post ihren Tarif- Beschäftigten auch relativ hohe Löhne.

Es sei besser, jetzt bei Einschnitten eine “weiche Landung“ zu machen, um längerfristig Arbeitsplätze zu sichern, begründete Post- Chef Appel die Sparpläne.

Post-Sprecher: „Unsere Vorschläge sind zumutbar“

Post-Sprecher Uwe Bensien: “Insgesamt sind unsere Vorschläge zumutbar, die Beschäftigten haben nicht weniger in der Tasche.“ Bei Verdi hat man für die Vorstöße zu Lasten der Beschäftigten kein Verständnis. “Die Post ist ein kerngesundes Unternehmen, und vom Vorstand kommt die Botschaft, als stünden wir kurz vor der Pleite“, sagte der bayerische Post-Fachbereichsleiter Anton Hirtreiter.

Bei der Fremdvergabe von Aufträgen läuft ein entsprechender Tarifvertrag, mit dem die Auslagerung begrenzt wird, Ende des Jahres aus. Ein Brief-Outsourcing war bisher ausgeschlossen. Appel will jetzt aber dieses Tabu antasten, zumindest hat er diese Position ins Spiel gebracht. Beobachter gehen davon aus, dass diese “Keule“ Verdi dazu bringen könnte, bei Arbeitszeit und Löhnen doch gesprächsbereit zu werden.

Dafür wiederum signalisierte Appel im Nachrichtenmagazin “Der Spiegel“ wohlwollend: “Sollte sich die wirtschaftliche Situation im Briefbereich wirklich besser entwickeln, wären wir bereit, einen Teil der eingesparten Gelder wieder an die Mitarbeiter auszuzahlen.“

Von Edgar Bauer

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