Wo Arbeitslose die besten Chancen haben

Bayern an der Spitze - München - Welches Jobcenter vermittelt am meisten Langzeitarbeitslose? Wo werden am häufigsten Sanktionen gegen Arbeitsunwillige verhängt? Erstmals hat sich die Bundesagentur für Arbeit (BA) dem internen Wettbewerb gestellt. Dazu veröffentlichte die Nürnberger Behörde Vergleichszahlen für die bundesweit rund 440 Jobcenter. Bayern schneidet bei der Auswertung überdurchschnittlich gut ab.

Mehr als 16 Jahre nach der Wiedervereinigung verläuft beim Arbeitsmarkt immer noch eine unsichtbare Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland (siehe Grafik links oben). So liegen neun von zehn Jobcentern mit der niedrigsten Arbeitslosenquote in Bayern. Platz 1 geht an Eichstätt (2,7 Prozent), gefolgt von Freising und Erding (je 3,4 Prozent). Die Zahlen stammen allerdings vom September 2006. Aus statistischen Gründen seien aktuellere Daten nicht verfügbar, so eine BA-Sprecherin.

Freising ohne Konkurrenz

Freising ist nicht Berlin-Neukölln. Um die Leistung der Jobcenter objektiv vergleichen zu können, haben Experten Deutschland in zwölf Kategorien eingeteilt. Die Wachstumsregion Freising ist danach Typ 10 ­ das sind ländliche Gebiete in Westdeutschland mit sehr guter Arbeitsmarktlage. Berlin gehört dagegen zur Kategorie 3 ­ Städte mit unterdurchschnittlicher Arbeitsmarktlage und einem sehr hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen.

Aber auch innerhalb der eigenen Liga lässt Freising die Konkurrenz schlecht aussehen. Die Flughafenregion hat nicht nur die niedrigste Arbeitslosenquote, sondern auch mit das höchste Beschäftigungswachstum (plus 1,3 Prozent). Auch beim Einsatz für junge Arbeitslose punktet Freising: Nur jeder 20. Langzeitarbeitslose ist jünger als 25 Jahre. Zum Vergleich: Im Jobcenter Calw (Baden-Württemberg und die gleiche Kategorie wie Freising) ist es jeder Siebte.

Sanktionen

Wer ein Jobangebot nicht annimmt oder Beratungstermine unentschuldigt verstreichen lässt, muss im Westen eher mit einer Strafe rechnen als in Ostdeutschland. So wurden die meisten Kürzungen des Arbeitslosengeldes II in Bayern verhängt. Die Jobcenter im Freistaat belegten im vergangenen September 2,7 Prozent der erwerbsfähigen Langzeitarbeitslosen mit einer Strafe. In Rheinland-Pfalz waren es 2,6 Prozent, in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein je 2,2 Prozent. Am seltensten wurden Sanktionen in Sachsen verhängt (1,2 Prozent), gefolgt von Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg (je 1,4 Prozent). Die Kluft zwischen West und Ost erklärte eine BA-Sprecherin mit der unterschiedlichen Wirtschaftslage: Je weniger Arbeitsangebote es gebe, desto geringer sei der Druck, eine Stelle anzunehmen.

Leistungsbilanz

Die jetzt veröffentlichten Zahlen sind erst der Anfang. Um die Arbeit der Jobcenter noch besser vergleichen zu können, stellt die Bundesagentur künftig auch die Vermittlungserfolge zur Verfügung. Außerdem werden die Daten jeden Monat aktualisiert. Der Einsatz der BA-Spitze für mehr Transparenz und Wettbewerb ist intern durchaus umstritten ­ das Projekt wurde mehrfach verschoben. Einige Jobcenter scheuen anscheinend immer noch den direkten Konkurrenzkampf.

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