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Arbeitslosengeld II kann beantragt werden, wenn der Lebensunterhalt nicht mehr allein bestritten werden kann

Finanzspritze in Krisenzeiten

Hartz IV: Wer es bekommt und wie es berechnet wird

Auch wer arbeitet, kann in die Situation kommen, finanzielle Hilfe zu benötigen. In Krisensituationen bietet der Staat mit dem Arbeitslosengeld II wertvolle Unterstützung. Hier gibt es alle Infos über das Auswahlverfahren und die Antragsstellung für Hartz IV.

Berlin – Am 01. Januar 2015 wurde das Arbeitslosengeld II, im Volksmund Hartz IV genannt, eingeführt. Es unterstützt Leistungsberechtigte finanziell dabei, ein nach dem Grundgesetz definiertes, würdevolles Leben zu führen.

Arbeitslosengeld II: Wer Anspruch darauf hat

Um Hartz IV zu erhalten, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden. Die Grundvoraussetzung ist, dass die antragsstellende Person sowohl erwerbsfähig als auch hilfebedürftig ist. Hier die Definitionen:

Erwerbsfähigkeit

Erwerbsfähigkeit bedeutet die uneingeschränkte, körperliche und geistige Fähigkeit, arbeiten zu können. Nicht erwerbsfähige Personen erhalten kein Arbeitslosengeld II, sondern Sozialhilfe.

Hilfebedürftigkeit

Hilfsbedürftige Personen sind Erwerbstätige, deren finanzieller Spielraum ihrer Bedarfsgemeinschaft unter dem gesetzlich definierten Existenzminimum liegt und die nicht in der Lage sind, damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie müssen nicht zwingend arbeitslos sein.

Zusätzlich müssen die folgenden Punkte erfüllt sein:

  • Das Alter beträgt mindestens 15, jedoch nicht über 67 Jahre (Rentenaltersgrenze).
  • Der zentrale Wohn- und Aufenthaltsort ist Deutschland.
  • Die Person kann mindestens drei Stunden am Tag arbeiten.

Unzumutbarkeit

Eine berechtigte Antragsstellung liegt auch vor, wenn die Ausübung einer Erwerbstätigkeit nachgewiesenermaßen beispielsweise der Pflege eines Angehörigen oder der Erziehung der Kinder entgegenstehen würde.

Einkommen und Vermögensrücklagen

Arbeitslosengeld II kann beantragt werden, wenn der Lebensunterhalt nicht mehr allein bestritten werden kann – weder aus vorhandenem Vermögen noch aus dem Einkommen. Diese Begriffe werden wie folgt definiert:

Vermögen

Zum Vermögen zählen messbare, geldwerte und verwertbare Besitztümer.

Beispiele:

  • Bargeld
  • Sparguthaben und Sparbriefe
  • Wertpapiere
  • Wohnimmobilien
  • Sachgegenstände (zum Beispiel ein Auto)
  • Kapitallebensversicherungen

Einkommen

Als Einkommen definiert die Arbeitsagentur alle Gelder, die der Antragsteller erhält.

Hier einige Beispiele:

  • Einkünfte aus selbstständiger oder nichtselbstständiger Arbeit
  • Entgeltersatzleistungen (beispielsweise Arbeitslosengeld)
  • Einkommen aus Immobilienvermietungen oder -verpachtungen
  • Unterhaltsleistungen und Kindergeld
  • private Renten
  • Beihilfen (zum Beispiel Ausbildungsgelder wie BAföG)
  • einmalige Einnahmen (beispielsweise Steuererstattungen und Erbschaften)
  • Zins- und Kapitalerträge

Antrag auf Arbeitslosengeld II: Wie er auszufüllen ist

Die Dokumente für die Antragsstellung auf Hartz IV bestehen grundlegend aus einem Haupteintrag und den möglichen Zusatzdokumenten EK (Einkünfte), WEP (weitere Personen), KI (Kinder unter 15 Jahren) und KDU (Kosten der Unterkunft).

Für die Beantragung von Hartz IV kann zunächst ein vereinfachter Antrag ausgefüllt werden. Die Vorgehensweise sieht folgendermaßen aus:

  • Download des vereinfachten Antrags von der Website der Arbeitsagentur und Eintragung der persönlichen Daten in das PDF-Dokument
  • im Fall von Selbstständigkeit auch das Zusatzdokument für Einkommen aus Selbstständigkeit ausfüllen
  • Antrag per E-Mail, Post oder Direkteinwurf in den Briefkasten des Jobcenters stellen
  • Rückmeldung der Arbeitsagentur abwarten

Es ist möglich, dass noch weitere Formulare oder Nachweise nachgeliefert werden müssen. Hierüber werden die Antragssteller jedoch individuell von ihrem Ansprechpartner informiert.

Antragsausfüllhilfen und Erklärvideos bietet die Arbeitsagentur auf ihrer Homepage an.

Arbeitslosengeld II: Lautung des Regelsatzes

Stand Januar 2021 erhält eine Person mit Anspruch auf Arbeitslosengeld II 446 Euro monatlich. Sind beide im Haushalt lebende Personen förderberechtigt, gibt es jeweils 401 Euro. Zusatzgeld gibt es für Kinder. Sind diese unter 5 Jahre alt, beträgt der Satz 283 Euro, bei Kindern zwischen 6 und 13 Jahren 309 Euro und im Alter zwischen 14 und 17 Jahren 373 Euro.

Arbeitslosengeld II: Wie die Berechnung erfolgt

In der Berechnung spiegeln sich die individuellen Lebensumstände des Antragsstellers wider. Der Pauschalbetrag ergibt sich aus dem Regelbedarf. Hierzu zählen essenzielle Güter wie Essen, Kleidung, Körperpflege, Hausrat und Energiekosten. Zusätzlich übernimmt die Arbeitsagentur die Miet-, Heiz- und sonstigen Betriebskosten zu einem der Region angepassten Satz. Unter Mehrbedarf fallen nötige Unterstützungszahlungen in besonderen Lebenslagen wie etwa Schwangerschaft oder Krankheit. Einmalbedarfszahlungen kommen etwa bei Umzug oder dem Kauf der Babyerstausstattung infrage. Im Bildungspaket sind Zusatzleistungen für Kinder und junge Erwachsene bis 25 Jahre vorgesehen. Dazu zählen beispielsweise Zuschüsse für Schulbedarf, Nachhilfeunterrichtstunden oder für die Teilnahme an Klassenfahrten.

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