+
Ein Mann geht durch eine Drehtür in eine Niederlassung der Bundesagentur für Arbeit in Dresden

Warnung vor sozialen Unruhen

Ältere Arbeitslose am Markt fast chancenlos

Berlin - Obwohl Unternehmen händeringend nach Fachkräften suchen, lassen sie ältere Arbeitslose einfach links liegen. Die hätten deshalb so gut wie überhaupt keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt.

Trotz des Fachkräftemangels erhalten ältere Arbeitslose über 50 kaum eine Chance auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Das hat nach Informationen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ vom Montag eine aktuelle Auswertung des Programms „Perspektive 50plus“ des Bundesarbeitsministeriums ergeben. Danach hätten sich lediglich 16 Prozent der über 50-Jährigen länger als ein halbes Jahr im neuen Beschäftigungsverhältnis halten können. Der Rest habe vorher wieder ausscheiden müssen.

Arbeitgeber lassen ältere Menschen einfach links liegen

„Die Diskrepanz zwischen Sonntagsreden und tatsächlicher Einstellungspraxis der Arbeitgeberseite, die die älteren Menschen einfach links liegen lässt, ist erheblich - allen Rufen nach Fachkräften zum Trotz“, sagt die Grünen-Politiker Brigitte Pothmer, die die aktuellen Zahlen beim Bundesarbeitsministerium abgefragt hatte, dem Blatt.

Obwohl rund 60 Prozent der Teilnehmer des Programms eine abgeschlossene Berufsausbildung, einen Meisterbrief oder gar ein Hochschuldiplom hätten, seien sie zwischen 2003 und 2013 etwa 4,5 Jahre arbeitslos gewesen, heißt es in dem Bericht. Etwa zehn Prozent hätten sogar nie eine Beschäftigung gefunden.

ILO warnt vor Unruhen durch steigende Arbeitslosigkeit

Da die Arbeitslosigkeit fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise immer noch zunimmt, warnt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) nun vor sozialen Unruhen in vielen Industriestaaten. Am stärksten sei die Gefahr in der Europäischen Union. Weltweit werde die Zahl der Menschen ohne Job ohne entschlossene Gegenmaßnahmen bis 2015 um acht Millionen auf 208 Millionen steigen, sagt die UN-Sonderorganisation in ihrem am Montag vorgelegten Weltarbeitsmarktbericht 2013 voraus.

Deutschland gehört nach Darstellung der ILO zu den wenigen positiven Ausnahmen. Zwischen 2007 und 2012 seien in der Bundesrepublik mehr als 2 Millionen neue Jobs geschaffen worden - „verglichen mit 2,7 Millionen Jobs, die im selben Zeitraum in der EU insgesamt verloren gingen“.

Das Risiko von Unruhen in der EU hat sich laut ILO - nach einem Index mit Faktoren wie Arbeitsmarktlage, Lebensstandard und Vertrauen in die jeweilige Regierung - von durchschnittlich 34 Prozent seit 2006 auf 46 Prozent im Jahr 2012 erhöht. Maßgeblich hätten dazu drastische Sparmaßnahmen beigetragen. Die Eurozone befinde sich zudem seit Ende 2011 in einer Rezession, während dort die Arbeitslosigkeit die Rekordhöhe von mehr als 12 Prozent erreicht habe - bei der Jugendarbeitslosigkeit gar fast 24 Prozent.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Opec+ weitet Ölproduktion um eine Million Barrel am Tag aus
Die Opec hat am Freitag vorgelegt, einen Tag später ziehen die Nicht-Opec-Länder nach. Mehr Öl soll in den Markt gepumpt werden, um eine Balance zwischen Angebot und …
Opec+ weitet Ölproduktion um eine Million Barrel am Tag aus
Daimler stoppt Auslieferung von Diesel-Modellen - diese Fahrzeuge sind betroffen 
Daimler hat die Auslieferung mehrerer Diesel-Modelle gestoppt. Grund  ist der angekündigte Rückruf für Fahrzeuge, die einen Diesel-Motor nach der Norm 6b enthalten.
Daimler stoppt Auslieferung von Diesel-Modellen - diese Fahrzeuge sind betroffen 
BMW warnt eindringlich vor Brexit-Folgen
Im nächsten Frühjahr will Großbritannien die EU verlassen. Doch die Verhandlungen zwischen London und Brüssel sind zäh. Viele Unternehmen wissen nicht, was auf sie …
BMW warnt eindringlich vor Brexit-Folgen
Schock für Primark: Neue Studie enthüllt vernichtendes Detail über Modekette
Schock für den Mode-Riesen Primark! Eine Große Studie einer Mediengruppe aus Frankfurt enthüllt ein vernichtendes Detail über Modekette. Alle Infos hier. 
Schock für Primark: Neue Studie enthüllt vernichtendes Detail über Modekette

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.