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Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im August nach Experteneinschätzung erneut leicht gestiegen. Foto: Daniel Karmann/Illustration

Experteneinschätzung

Arbeitslosigkeit im August steigt saisonal leicht an

Auf dem Arbeitsmarkt herrscht gerade Sommerflaute. Doch an der grundsätzlich guten Lage ändert das nichts, sind sich Ökonomen sicher. Fehlende Fachkräfte werden aber immer mehr zum Problem.

Nürnberg (dpa) - Die Zahl der Arbeitslosen ist im August nach Experteneinschätzung erneut leicht gestiegen. Dies habe aber allein saisonale Gründe, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Nach ihren Berechnungen waren im August 2,347 Millionen Frauen und Männer ohne Job. Das wären etwa 22.000 mehr als im Juli, aber rund 198.000 weniger als vor einem Jahr.

Ein Anstieg der Arbeitslosenzahl im August ist normal. Viele Schulabgänger und Ausbildungsabsolventen melden sich im Sommer zunächst arbeitslos. Auch viele Unternehmen halten sich während der Betriebsferien mit Neueinstellungen zurück. "Der August hat immer ein kleines Plus zu bieten", erklärte DZ-Bank-Volkswirt Michael Holstein.

In den vergangenen drei Jahren war die Zahl der Jobsucher in dem Monat im Schnitt um 24.000 gestiegen. Werden die jahreszeitlichen Effekte herausgerechnet, ist laut den Volkswirten die Arbeitslosenzahl um etwa 5000 gesunken. Die offiziellen Arbeitsmarkt-Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Donnerstag (30. August) bekanntgeben.

Grund für die guten Aussichten ist die robuste Wirtschaft in Deutschland. "Wir haben nach wie vor einen soliden Aufschwung", sagte Gregor Eder von der Allianz. Auch wenn die Wachstumsraten nicht mehr ganz so üppig seien wie im vergangenen Jahr. Internationale Handelskonflikte sorgen weiterhin für Unsicherheiten. Doch die deutsche Wirtschaft ließ sich nicht bremsen und blieb jüngsten Zahlen vom Statistischen Bundesamt zufolge auch im zweiten Quartal dieses Jahres auf Wachstumskurs.

Vor allem die Konsumlust der Verbraucher trieb die Konjunktur an. Der private Verbrauch wird von Lohnzuwächsen und der historisch guten Lage auf dem Arbeitsmarkt gestützt. Der Arbeitsmarkt hilft sich damit quasi selbst, wie die Experten erklärten - und füllt auch die Kassen des Staates. Wie Statistiker am Freitag mitteilten, nahmen Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen in den ersten sechs Monaten unter dem Strich 48,1 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Der Staat profitiert von sprudelnden Steuern und Sozialbeiträgen.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten eile von Rekord zu Rekord, sagte Deutsche-Bank-Ökonom Marc Schattenberg. Jüngsten Zahlen zufolge hatten 32,9 Millionen Menschen im Mai in Deutschland einen regulären Job - 746.000 mehr als ein Jahr zuvor. Demzufolge bleibt die Nachfrage der Unternehmen nach neuen Mitarbeitern weiterhin hoch.

Für Firmen wird es den Experten zufolge aber immer schwieriger, ihre Stellen mit Fachkräften zu besetzen. Das bremse den Abbau der Arbeitslosigkeit etwas, erklärte Marc Schattenberg von der Deutschen Bank. Auch für die kommenden Monate rechnen die Ökonomen wegen der günstigen gesamtwirtschaftlichen Lage mit steigender Beschäftigung und sinkenden Arbeitslosenzahlen. "Aber nicht mehr in Sieben-Meilen-Schritten", sagte Commerzbank-Ökonom Eckart Tuchtfeld.

Der Arbeitsmarkt im Juli

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