Arbeitsmarkt in Bayern: Der Jobboom und die Väter des Erfolgs

München - Der Aufschwung am Stellenmarkt hält zumindest noch heuer an. In Bayern schreibt sich das kurz vor der Landtagswahl die CSU-Regierung auf die Fahnen. Doch der Beitrag der Politik zum Jobwunder ist umstritten.

Weil Günther Beckstein die gute Nachricht unbedingt selbst präsentieren wollte, brach die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) gestern kurzerhand mit einer langjährigen Tradition. Statt vormittags um 10 Uhr in Nürnberg wurde die Arbeitsmarktstatistik für Juni erst dreieinhalb Stunden später in der Münchner Staatskanzlei bekannt gegeben. Der Landesvater hatte das erste Wort - und nicht wie sonst üblich der Chef Regionaldirektion, Rainer Bomba.

Die Stellen-Bilanz ist sehr erfreulich ausgefallen. Die gemeldete Arbeitslosigkeit nahm im letzten Monat erneut ab und notierte auf dem tiefsten Stand seit 16 Jahren. Noch dazu konnte der Freistaat im Wettstreit der Musterländer punkten: Erstmals seit November 2000 lag die Joblosen-Quote mit 3,8 Prozent wieder unter der von Baden-Württemberg (3,9), der bisherigen Nummer eins. "Bayern ist der stärkste Beschäftigungsmotor Deutschlands", stellte Beckstein zufrieden fest.

Das kommt dem Ministerpräsidenten gerade recht. Am 28. September wird der Landtag neu gewählt und zuletzt hatte die CSU in Umfragen ungewöhnlich schlecht abgeschnitten. Freudige Neuigkeiten vom Stellenmarkt - der vor drei Jahren allenfalls für Horrormeldungen gut war - könnten helfen, die absolute Mehrheit zu sichern. Dabei räumte Beckstein auf Nachfrage ein, dass er den Bericht nicht vorgelegt hätte, wäre er negativ ausgefallen. So aber sprach der Politiker nicht nur in München über den Arbeitsmarkt, sondern nachmittags auch noch in Eichstätt und Weiden.

Wer oder was das Jobwunder im Freistaat ausgelöst hat, ist umstritten. Während Beckstein die Wirtschafts- und Strukturpolitik der Regierung anführt, stellen Volkswirte andere Gründe in den Vordergrund. "Bayern stände nicht so gut da, wenn die Politik in den vergangenen Jahrzehnten alles falsch gemacht hätte", sagt Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Berlin. Den deutlichen Stellenaufbau seit Januar 2006 habe die Landespolitik aber kaum begünstigt.

Ebenso wie die Bundesagentur heben Ökonomen wie der IW-Experte die robuste Konjunktur hervor. Wegen der weltweit starken Nachfrage boomt vor allem die deutsche Exportindustrie und hat zahlreiche Stellen geschaffen. Alexander Koch von der HypoVereinsbank verweist zudem auf die Restrukturierungsanstrengungen der Firmen während des letzten Abschwungs. Dadurch seien die Betriebe wettbewerbsfähiger geworden, was wiederum die Arbeitskräftenachfrage erhöht habe.

Auch die von der rot-grünen Bundesregierung beschlossenen Arbeitsmarkt-Reformen haben nach Ansicht von Experten zur Entspannung beigetragen. Sie führen vor allem die Änderungen in der Zeitarbeitsbranche an. Seit 2003 können die Firmen die Arbeitsverhältnisse mit Leiharbeitern beliebig oft verlängern, was einen flexiblen Beschäftigungsaufbau ermöglicht. Nach Angaben der Regionaldirektion hat sich die Zahl der Zeitarbeiter seitdem allein in Bayern auf über 100 000 verdoppelt.

Der Arbeitsmarkt dürfte der CSU bis zum Urnengang keinen Strich mehr durch die Rechnung machen. Die BA rechnet mit einem weiteren Stellenwachstum in den kommenden Monaten. Zudem erreicht die Arbeitslosigkeit im Herbst - pünktlich zur Stimmabgabe - üblicherweise ihren Jahrestiefstand. 2009 wird die Situation womöglich anders aussehen: Einige Wirtschaftsforscher rechnen mit einem Erlahmen der Konjunktur und im Bundesdurchschnitt mit keinen neuen Jobs mehr.

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