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Die Agenturen für Arbeit geraten durch die Krise in den Bre nnnpunkt.

Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsinstitute

Am Arbeitsmarkt beginnt die Krise erst

Berlin - Die schwerste Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik ist am Arbeitsmarkt noch nicht angekommen. Doch Ende nächsten Jahres erwarten Wirtschaftsforscher einen Nachkriegsrekord bei der Arbeitslosigkeit.

Der deutsche Patient leidet. Er leidet an der tiefsten Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik. Dies stellt die gestrige „Gemeinschaftsdiagnose“ der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute fest. Demnach ist eine Besserung erst in der zweiten Jahreshälfte 2010 zu erwarten. Denn auf dem Arbeitsmarkt sei die Krise, die sich im vergangenen Winterhalbjahr breitmachte, noch gar nicht richtig angekommen. „Jetzt kommen die Nachbeben, die Folgeschäden und die Aufräumarbeiten, vor allem am Arbeitsmarkt“, sagt Kai Carstensen vom Münchner Ifo-Institut und kündigt an: „Sie werden lange dauern, und sie werden wehtun.“

Für 2009 sagen die Institute einen Wirtschaftsrückgang von sechs Prozent voraus. Die Zahl sei maßgeblich durch den Produktionseinbruch im vergangenen Winter bestimmt, erklärt Carstensen.

Noch halten sich die Menschen kaum mit ihrem Konsum zurück, was den Wirtschaftseinbruch etwas abmildert. Doch das Risiko, den Arbeitsplatz zu verlieren, steigt zusehends. Ende des Jahres werden auch die Verbraucher ihre Finanzen stärker zusammenhalten. Das wiederum beschleunige den Verlust weiterer Arbeitsplätze. Im Herbst überschreitet die Zahl der Arbeitslosen von derzeit rund 3,6 Millionen wahrscheinlich die Marke von vier Millionen. Und Ende 2010 sind es wohl knapp fünf Millionen Arbeitslose. Damit liegt die Marke fast so hoch wie im Frühjahr 2005 zum Ende der rot-grünen Vorgänger-Regierung. Damals war ein Nachkriegsrekord erreicht worden.

Dass die Krise bislang nicht voll auf den Arbeitsmarkt durchschlug, hänge vor allem mit der Einführung der Kurzarbeit zusammen, hieß es. Die Bundesregierung hatte die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes von zwölf auf 18 Monate erhöht und beschlossen, bei gleichzeitiger Weiterbildung einen Teil der Sozialabgaben zu übernehmen. „Wir erwarten im Durchschnitt dieses Jahres 1,3 Millionen Kurzarbeiter“, sagt Roland Döhrn vom RWI in Essen. Dieses Instrument entfalte durchaus eine Wirkung. Doch mehr geht nicht. Die Experten geben zu bedenken, dass diese Maßnahme sehr tiefe und sehr lange Krisen nicht auf Dauer überbrücken könne. „Bevor ein Unternehmen pleitegeht, wird es Leute entlassen“, sagt Ifo-Experte Carstensen.

Mehr Arbeitslosigkeit bedeutet mehr Ausgaben für den Arbeitsmarkt, weniger Steuer- und weniger Beitragseinnahmen für die Sozialkassen. Für das nächste Jahr erwarten die Institute daher ein Haushaltsloch von 133 Milliarden Euro. Die Defizitquote würde damit auf 5,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ansteigen. Deutschland würde damit wieder den Euro-Stabilitätspakt verletzen, der ein maximales Defizit von 3,0 Prozent des BIP erlaubt. In der letzten Rezessionsphase 2002 bis 2005 hatte Deutschland bereits das Kriterium für den Euro-Stabilitätspakt wiederholt überschritten.

Bettina Grachtrup / Ruppert Mayr

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