Arbeitsmarkt: Dänemark ein Modell für Deutschland?

- Kopenhagen -­ Auch in Dänemark gibt es Arbeitslose. Allerdings sind es so wenige, dass Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) einen Umbau des Kündigungsschutzrechtes nach dänischem Vorbild vorgeschlagen hat. Denn wer schneller kündigen kann, stellt auch schneller ein, so die Argumentation.

Tatsächlich hat sich die Arbeitslosigkeit in dem 5,4-Millionen-Einwohner-Land seit der Wirtschaftskrise in den 90er-Jahren mehr als halbiert: von über 12 auf heute unter 5 Prozent. Dafür sorgte zwar zum einen ein Arbeitsmarkt ohne Kündigungsschutz, mit geringen Abfindungen und flexibler Lohngestaltung. Zum anderen aber ein mehrjähriger Wirtschaftsboom und ein großzügiges soziales Netz für Arbeitslose, das weit höhere Sicherheitsniveaus als das heutige deutsche System bietet.

Die Kleinunternehmerin Laila Peterssen ist eine von denen, die vom flexiblen Arbeitsmarkt profitieren. In ihrem Frisörsalon "Galla" bekommen die Kunden seit mehreren Jahren neben dem üblichen Kaffee auch mal ein kaltes Glas Bier spendiert. Manchmal serviert Laila es selber, manchmal tun das ihre Angestellten ­ wenn sie gerade welche hat. Vor sechseinhalb Jahren entschloss sich die heute 34-jährige Frisöse, in Roskilde einen eigenen Laden aufzumachen. "Weil es eine Stadt mit vielen Köpfen und wenig Frisören ist", erklärt sie. Manchmal arbeitet Laila alleine, aber saisonbedingt stellt sie auch gerne mal zusätzliche Frisösen an. Denn das dänische "hire and fire" erlaubt es ihr, bei schlechter Auftragslage auch wieder zu entlassen. Nur die Kündigungsfrist, die je nach Anstellungslänge variiert, müssen Laila und andere Unternehmer einhalten. Auch die Löhne, die inzwischen zu drei Vierteln nach der konjunkturellen Lage individuell in den Betrieben ausgehandelt werden, kann Laila selbst mit ihren Mitarbeitern vereinbaren.

Selbst die Gewerkschaften sind damit zufrieden. Durch die Abkehr von kollektiven Tarifverträgen entstanden zwar viele Verträge unter Tarif, aber dennoch konnte die Arbeitslosigkeit innerhalb der letzten 16 Jahre halbiert werden. "Arbeitsplätze sind unser Hauptziel. Zwar haben wir einen schlechteren Kündigungsschutz als in Deutschland, aber gleichzeitig haben wir auch ein sehr gutes Sicherheitsnetz für Arbeitslose", sagt Dorete Mongard von der Gewerkschaft "LO". Vor allem wegen der guten sozialen Absicherung für diejenigen, die aus dem Netz fallen, tragen die Gewerkschaften das System mit.

Mongard nennt das "Flexicurity": hohe Flexibilität auf der einen ­ und hohe soziale Sicherheit auf der anderen Seite. Letzteres haben sich die Dänen mit einer der höchsten Steuerquoten innerhalb der OECD erkauft (Mehrwertsteuer: 25 Prozent). Der dänische Staat zahlt bis zu 90 Prozent des letzten Gehalts ­ und das bis zu vier Jahre lang. Die Obergrenze liegt bei rund 370 Euro wöchentlich.

Das dänische "Fördern und Fordern" beinhaltet aber auch, dass Arbeitslose nach einem Jahr zu unterschiedlichsten Arbeiten gezwungen werden können. Kritiker sprechen von "Zwangsarbeit". Tatsächlich ist in Dänemark auch ein umfangreicher Niedriglohnsektor entstanden. In den letzten 10 Jahren sanken die Einkommen der untersten 10 Prozent auf der dänischen Einkommensskala deutlich.

Neben Zwang ist aber auch die Arbeitsvermittlung in Dänemark effektiver und es gibt mehr Geld für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Wegen des lockeren Kündigungsschutzes ist zwar jeder vierte Däne durchschnittlich einmal im Jahr arbeitslos, aber laut Studie haben die Dänen weniger Angst davor, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, als die Deutschen, was neben der guten Absicherung an den effektiven Vermittlungsleistungen der Arbeitsämter liegt.

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