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Entgegen aller Erwartungen hat der Arbeitsmarkt der Krise getrotzt.

Tortz Krise:

Arbeitsmarkt erweist sich als krisenfest

Nürnberg - Manche Experten hatten schon für den Sommer mit der Jobkrise gerechnet, andere erst zum Frühherbst. Die jüngste Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hat aber fast alle von ihnen widerlegt.

Rund ein Jahr nach dem Ausbruch der globalen Finanzkrise erweist sich die Beschäftigungslage zumindest auf den ersten Blick als erstaunlich stabil. Manche Experten befürchten, dass erst im nächsten Jahr das dicke Ende kommt.

“Goldene-Oktober“- Stimmung auf dem Arbeitsmarkt

Derzeit herrscht jedenfalls angesichts des überraschend kräftigen Herbstaufschwungs auf dem Jobmarkt geradezu “Goldene-Oktober“- Stimmung: Die Arbeitslosenzahlen sanken im zu Ende gehenden Monat im Vergleich zum September um 118 000 auf 3,229 Millionen - und damit so stark wie im Durchschnitt der vergangenen drei Boomjahre.

Was vor allem den Optimismus der Bundesagentur für Arbeit (BA) nährt: Die Lage hat sich entgegen aller Unkenrufe im zweiten Halbjahr sogar noch verbessert. So verzeichnet die offizielle BA-Statistik schon den vierten Monat in Folge sinkende saisonbereinigte Arbeitslosenzahlen. Und auch der befürchtete Jobabbau verlief nach Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes bisher unerwartet moderat.

So sind innerhalb der vergangenen zwölf Monate lediglich 104 000 Stellen gestrichen worden. Bei so viel Zuversicht taucht bereits die These von der “Arbeitsmarkt-Brücke“ wieder aus der Versenkung auf. Dahinter steckt die zu Anfang der Finanzkrise geäußerte Hoffnung, der Bundesagentur könnte es mit dem geschickten Einsatz ihres arbeitsmarktpolitischen Instrumentariums gelingen, die Arbeitslosigkeit bis zum Wiederanspringen der Konjunktur auf niedrigem Niveau zu halten.

Kurzarbeit hatte Erfolg

Zumindest mit dem massiven, aber auch entsprechend teuren Einsatz der Kurzarbeit scheint das BA-Management unter Führung von Frank- Jürgen Weise Erfolge zu haben. Noch im September waren rund 1,1 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit - die drohende Entlassung blieb ihnen damit erst einmal erspart. Nach BA-Schätzungen haben damit wahrscheinlich zwischen 250 000 und 300 000 Jobs gerettet werden können. Ohne die sähe die Arbeitslosenstatistik deutlich düsterer aus, betonen vor allem BA-Kritiker.

Viele fragen sich indes, wie lange “die Kurzarbeit noch trägt“. Nach Informationen der Bundesagentur sind viele Firmen dazu entschlossen, ihre Auftragslücken noch einige Monate lang mit Kurzarbeit zu überbrücken. Erstaunlich sei dies allerdings schon, findet etwa das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das Forschungszentrum der BA. Schließlich nähmen die Unternehmen damit deutliche Produktivitätsverluste in Kauf. Nach Berechnungen des IAB erbrachte ein Erwerbstätiger im zweiten Quartal 2009 durchschnittlich 7,1 Prozent weniger Leistung als im zweiten Quartal 2008.

Produktivität gesunken

In der Industrie führten Leerläufe bei kaum veränderter Belegschaft sogar zu einem Produktivitätsrückgang von 23,1 Prozent. Auch die Stundenproduktivität sei dadurch gesunken - und zwar erstmals seit 1970, dem Beginn entsprechender Aufzeichnungen. Viele Firmen, so zeigten die Zahlen, nähmen seit Monaten eine Unterauslastung ihres Personals in Kauf. Womöglich wollten sie mit dem Verzicht auf Entlassungen einem Fachkräftemangel vorbeugen, vermuten die Arbeitsmarktforscher. Denn vielen Firmenchefs sei noch der letzte Konjunkturaufschwung in schlechter Erinnerung: Nachdem sie kurz zuvor ältere und erfahrene Mitarbeiter in den Vorruhestand geschickt und andere entlassen hatten, bekamen sie beim Wiederanspringen der Konjunktur Probleme, die plötzlich hereinbrechende Auftragsflut zu bewältigen.

dpa

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