Arbeitsmarkt im Frühjahr trübe und labil

- München - Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt bleibt miserabel. Zwar haben die steigenden Temperaturen die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen abgeschmolzen. Berücksichtigt man aber die Änderung der Statistik vom Jahresanfang, waren diesen Frühling so viele Menschen ohne Job wie noch nie.

<P>Obwohl die Bundesagentur für Arbeit (BA) im April um 100 000 Arbeitslose weniger registrierte als im März, ist BA-Vorstand Frank-Jürgen Weise nicht zufrieden: "Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich eingetrübt", sagte er bei der Bekanntgabe der Zahlen. Der Rückgang auf 4,43 Millionen Arbeitslose (10,7 Prozent) sei vor allem auf die traditionelle Frühjahrsbelebung zurückzuführen. Die war jedoch kraftlos, denn saisonbereinigt ist die Zahl der Arbeitslosen sogar um rund 20 000 gestiegen. "Das Wirtschaftswachstum ist zu schwach, um dem Arbeitsmarkt Impulse zu verleihen", meint Weise.<BR><BR>Dass sich die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt derzeit verschlechtert hat, zeigt ein Vergleich mit den Vorjahreszahlen: Seit der Gründung der Bundesrepublik waren in einem April niemals so viele Menschen arbeitslos gemeldet wie dieses Jahr, wenn man die Statistikänderung vom Januar berücksichtigt. Seitdem gelten Teilnehmer an von den Arbeitsagenturen verordneten Trainingsmaßnahmen nicht mehr als arbeitslos. Das sind monatlich etwa 80 000 Menschen.<BR><BR>Auch andere Entwicklungen verdeutlichten die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt im April: Verglichen mit dem Vorjahresmonat zählten die Arbeitsagenturen um 180 000 Langzeitarbeitslose mehr. Gleichzeitig meldeten Unternehmen um fast 60 000 weniger offene Stellen. Ebenfalls zurückgegangen ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in die Sozialkassen einzahlen. Nach ersten Hochrechnungen sank ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 623 000 auf 26,3 Millionen. "In Deutschland werden nach wie vor Arbeitsplätze abgebaut", kommentierte BA-Vize-Chef Heinrich Alt diese Zahl.<BR><BR>Der bayerische Arbeitsmarkt konnte sich vom Bundestrend nicht abkoppeln. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen sank zwar um 34 900 auf 450 000, was einer Quote von 6,9 Prozent entspricht. Aber auch im Freistaat stieg die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen, nämlich um 6000. Sozialministerin Christa Stewens sprach deswegen von einer "besorgniserregenden" Entwicklung. Wirtschaftsminister Wiesheu sagte, das leichte Frühlingserwachen könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Arbeitsmarkt in einer labilen Verfassung befinde.<BR></P>

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