Auch in Bayern erste Abschwächungstendenzen

Arbeitsmarkt: Lage wird schwieriger

München - Die Finanzkrise und die schwächelnde Konjunktur werden nun auch auf dem Arbeitsmarkt im Freistaat spürbar. Experten rechnen für Oktober nur noch mit einem saisonbedingten Rückgang der Arbeitslosenzahlen von etwa 5000 auf rund 250 000.

Im Durchschnitt der letzten drei Jahre ist die Arbeitslosigkeit in Bayern im Oktober um rund 16 000 gesunken.

Der Einfluss der wirtschaftlichen Entwicklung auf den Arbeitsmarkt wird insbesondere bei einem Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahresmonat deutlich. Die Zahl der Erwerbslosen liegt nach Berechnungen des bayerischen Arbeitsministeriums im Oktober nur noch um rund 50 000 unter der vom Oktober des vergangenen Jahres. Zu Beginn dieses Jahres hatte der Vorjahresabstand noch über 90 000 betragen.

Die Arbeitslosenquote dürfte zwar im Oktober noch einmal um 0,1 Punkte auf 3,8 Prozent sinken. Im Winter wird sie aber wieder die Marke von vier Prozent deutlich überschreiten. Die offiziellen Zahlen für Oktober gibt die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am kommenden Donnerstag bekannt.

Der Direktor des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI), Thomas Straubhaar, erwartet angesichts der strauchelnden Weltwirtschaft auch in Deutschland wieder mehr Arbeitslose. Nach seiner Einschätzung wird die Arbeitslosenquote 2009 von 7,5 auf acht Prozent steigen, sagte er der Berliner Tageszeitung "B.Z. am Sonntag". Auch wenn die deutsche Wirtschaft in eine Rezession abgleitet - "Es ist nicht mehr die Frage ob, sondern nur noch wann" -, sieht Straubhaar sie als robust genug an, die Schwäche im zweiten Halbjahr 2009 zu überwinden.

Die im September veröffentlichte HWWI-Prognose sieht für 2008 beim Bruttoinlandsprodukt einen Zuwachs von 1,9 Prozent vor. Im nächsten Jahr soll das Wachstum 1,0 (1,1) Prozent betragen. Im Winter werde die deutsche Wirtschaft bis Mitte des nächsten Jahres im besten Fall stagnieren, im schlechtesten Fall sogar leicht schrumpfen, sagte Straubhaar. "Danach geht es wieder aufwärts, sodass ich für 2009 insgesamt bei der Konjunktur mit einem schwachen Plus rechne."

Die Reformen der Agenda 2010 hätten die Sockel-Arbeitslosigkeit gesenkt und Deutschland gut für die Konjunkturschwäche gerüstet.

Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt rechnet angesichts der Finanzkrise mit einem Jobabbau im kommenden Jahr. "Die positive Entwicklung der letzten drei Jahre auf dem Arbeitsmarkt wird sich nicht fortsetzen", sagte Hundt dem "Hamburger Abendblatt" und fügte hinzu: "Ich schließe nicht aus, dass es zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommen wird." Im günstigsten Fall lasse sich "das Beschäftigungsniveau in etwa halten".

ap/dpa

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