Arbeitsmarktforscher fordern

Experten: Mehr Förderung für Langzeitarbeitslose

Nürnberg - Ihr letzter Job liegt Jahre zurück - Langzeitarbeitslose haben es besonders schwer bei der Arbeitssuche. Arbeitsmarktforscher fordern daher von der künftigen Bundesregierung eine stärkere Förderung.

Arbeitsmarktforscher haben sich in Empfehlungen an die künftige Bundesregierung für eine massive Förderung von Langzeitarbeitslosen ausgesprochen. Anders lasse sich die Arbeitslosigkeit in Deutschland nicht wirksam senken, heißt es in einem im Internet veröffentlichten Forderungskatalog des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Derzeit gebe es rund eine Million Menschen in Deutschland, die seit mehr als einem Jahr ohne Arbeit seien. 500 000 hätten schon seit zwei Jahren keinen Job mehr gehabt, knapp 200 000 sogar länger als vier Jahre.

Notwendig ist nach Einschätzung der Nürnberger Arbeitsmarktforscher neben einer Aus- und Fortbildungsoffensive für Langzeitarbeitslose auch ein System von Patenschaften. Schwer vermittelbare Arbeitslose sollten von Menschen unterstützt werden, die Erfahrung im Berufsleben haben und auch über Kontakt in Betrieben verfügten, raten die Fachleute.

Um Anreize für eine Fortbildung zu schaffen, sollten Jobsucher in der Ausbildungsphase deutlich stärker als bisher finanziell unterstützt werden, verlangt die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit (BA). Eine IAB-Befragung unter Langzeitarbeitslosen habe ergeben, dass mehr als der Hälfte der Befragten das Geld für eine längere Ausbildung fehle. Stattdessen entschieden sie sich häufig für einen besser entlohnten Job, der aber meist unsicher sei und den Betroffenen und ihren Familien keine längerfristige Perspektive biete.

Mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel sprechen sich die Experten zugleich für eine Abschaffung des Betreuungsgeldes und des steuerlichen Ehegattensplittings aus. Beide Maßnahmen seien „beschäftigungspolitisch kontraproduktiv“. Solche finanziellen Fehlanreize könnten die Bereitschaft von Frauen mindern, wieder berufstätig zu werden, warnt das IAB. „Das neue Betreuungsgeld macht es attraktiver, Kinder - zulasten eigener Erwerbstätigkeit - selbst zu Hause zu betreuen“, geben Forscher zu bedenken. Das Ehegattensplittung wiederum sorge dafür, dass Frauen in schlechter bezahlten Jobs verharrten.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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