Wenn der Liegestuhl zum Krankenbett wird, dürfen Arbeitnehmer den Urlaub nachholen. Allerdings müssen sie sich dafür auch in den Ferien krankschreiben lassen. Fotolia

Arbeitsrecht: Schnupfen am Strand

München - Es sollten die schönsten Wochen des Jahres werden - doch dann kommt die Grippe. Wer im Urlaub krank wird, hat trotzdem noch Anspruch auf erholsame Tage. Doch es gilt einiges zu beachten.

Von Wolfgang Büser

Viele Arbeitnehmer kennen das: Kaum beginnt der Urlaub und der Alltagsstress lässt nach, erwischt einen die Grippe. Wer während des Urlaubs das Bett hüten muss, sei es wegen eines heftigen Magen-Darm-Infekts oder eines Beinbruchs beim Wasserskifahren, stellt sich die Frage: Ist das einfach nur Pech oder müssen die verlorenen Urlaubstage wieder gutgeschrieben werden?

Wer krank ist, der kann nicht gleichzeitig in Urlaub sein. Das hat das Bundesarbeitsgericht grundsätzlich festgestellt. Das bedeutet aber auch umgekehrt: Wer während der freien Wochen krank wird, dessen Urlaub wird unterbrochen. Das gilt während des Arbeitsverhältnisses grundsätzlich endlos, nachdem der Europäische Gerichtshof und nachfolgend auch das Bundesarbeitsgericht festgestellt haben, dass eine Zeit der Arbeitsunfähigkeit, und dauert sie auch noch so lange, nicht dazu führen kann, dass ein Urlaubsanspruch verfällt.

Bedingung dafür ist im Regelfall, dass dem Betrieb noch aus dem Urlaub ein ärztliches Attest über die Arbeitsunfähigkeit zugeschickt oder zugefaxt wird, falls für solche Fälle keine Sondervereinbarung, etwa eine telefonische Verständigung, getroffen ist. Die ausländische Arztbescheinigung muss aber im Gegensatz zur inländischen deutlich erkennen lassen, dass zwischen einer bloßen Erkrankung und einer mit Arbeitsunfähigkeit verbundenen Krankheit unterschieden wurde.

Einfach an das bisher vorgesehene Urlaubsende angehängt werden dürfen die Krankheitstage allerdings nicht. Das wäre zumindest ein Grund für eine Abmahnung. Einvernehmlich ist die Verlängerung aber natürlich möglich. Ansonsten wird nach der Rückkehr über den Termin für den Resturlaub entschieden.

Und wie ist die Rechtslage, wenn ein Arbeitnehmer während eines unbezahlten Urlaubs krank wird? Der Arbeitgeber muss in diesen Fällen das Arbeitsentgelt nicht weiterzahlen, wie vor Jahren bereits das Bundesarbeitsgericht entschieden hat.

Im konkreten Fall standen einem Arbeitnehmer bei Urlaubsantritt lediglich noch zwölf Urlaubstage zu. Um mit seiner Familie aber vier Wochen in die Ferien fahren zu können, vereinbarte er mit seiner Firma 14 weitere unbezahlte Urlaubstage. Noch während der Zeit des bezahlten Urlaubs wurde der Mann arbeitsunfähig krank. Er verlangte von seinem Arbeitgeber die Lohnzahlung auch für die Dauer des unbezahlten Urlaubs.

Dieser Anspruch wurde vom Bundesarbeitsgericht nicht anerkannt. Ein Lohnfortzahlungsanspruch könne nur bestehen, wenn allein die Arbeitsunfähigkeit die Ursache für den Ausfall der Arbeitsleistung sei. Der Arbeiter sei aber während der 14 Tage schon aus einem anderen Grund nicht zur Arbeit verpflichtet gewesen - eben weil er unbezahlten Urlaub genommen habe. Diese Vereinbarung könne er nicht von sich aus widerrufen. (Aktenzeichen: 5 AZR 599/76)

Andererseits: Der Arbeitgeber muss wieder mit der Lohnzahlung einsetzen, wenn eine Arbeitsunfähigkeit über den Zeitraum des vereinbarten unbezahlten Urlaubs hinaus andauert. Ein Beispiel: Hat ein Arbeitnehmer unbezahlten Urlaub vom 2. 8. bis 15. 9. 2011 und wird vom 5. bis zum 29. 9. 2011 krank, hat er vom 16. bis zum 29. 9. 2011 Anspruch auf seine Lohnzahlung.

Solange aber der Arbeitgeber nicht Lohn oder Gehalt zahlen muss, ist die Krankenkasse am Zuge. Das Bundessozialgericht hat einen Krankengeldanspruch für diese Zeit ausdrücklich bejaht (Aktenzeichen: 3 RK 6/88). So würde im vorherigen Beispiel Anspruch auf Krankengeld für die Zeit vom 5. bis zum 15. 9. 2011 bestehen.

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