Arbeitszeiten: Bayerns Firmen verlangen mehr

- München - Als "fast schon historisches Ereignis" feierte der Arbeitsmarktexperte Hilmar Schneider die Einigung bei Daimler-Chrysler. Während Gewerkschaften und Politik nun immer stärker die Bezüge der Manager kritisieren, bahnen sich besonders in Bayern weitere Arbeitszeitverlängerungen an.

<P>Politiker und Gewerkschafter haben die deutschen Spitzenmanager aufgerufen, bei ihren Einkünften Maß zu halten. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sagte der "Bild am Sonntag": "Die Politik sollte jene Manager stärken, die Vernunft und Augenmaß bewahren." Natürlich müssten gute Manager international konkurrenzfähig bezahlt werden. "Aber manche gewaltigen Gehaltssteigerungen sind unangemessen."</P><P>IG-Metall-Vize Berthold Huber bezeichnete in der "Welt am Sonntag" manch ein Managergehalt als "schlichtweg unanständig". Die Höhe der Vergütungen sollte in Beziehung zum Verdienst eines normalen Arbeitnehmers stehen. Es sei inakzeptabel, dass die Managerbezüge manchmal das 200fache eines normalen Arbeitnehmerlohnes erreichten. Niemand verlange, dass Manager Hilfsarbeiterlöhne bekämen. Im Übrigen dürfe der Gewinn nicht das ausschließliche Kriterium sein. Ein wichtiger Maßstab sollte auch sein, ob sie nachhaltig Arbeitsplätze schaffen, meinte Huber.</P><P>"Ich habe die Befürchtung, dass einige Arbeitgeber den Häuserkampf in den Betrieben geradezu herbeisehnen. Ich kann davor nur warnen. Die Radikalisierung auf der Arbeitgeberseite zwingt auch die Arbeitnehmer zur Radikalisierung", sagte Huber. Die gegenwärtige Lage berge die Gefahr, dass Trittbrettfahrer versuchten, auf den Zug aufzuspringen. Besonders in Bayern häuften sich die Fälle von Unternehmen, die Sonderregelungen verlangten.</P><P>Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat unterdessen bei Volkswagen längere Arbeitszeiten gefordert. Der "Berliner Zeitung" sagte er, der Autokonzern werde seine 175 000 Arbeitsplätze in Deutschland nicht halten können, wenn es beim derzeitigen Haustarifvertrag bleibe. Er halte es für angemessen, wenn in Deutschland wieder regelmäßig 40 Stunden in der Woche gearbeitet werde.</P><P>Nach einer "Spiegel"-Umfrage halten 53 Prozent der Deutschen die Führungskräfte, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu teilweisem Gehaltsverzicht bereit sind, für glaubwürdiger als Manager, die das nicht tun. Allerdings sind 36 Prozent der Auffassung, dass selbst ein Lohnopfer die Glaubwürdigkeit der Wirtschaftselite nicht verbessert.</P><P>Nach Ansicht des Jenoptik-Aufsichtsratsvorsitzenden Lothar Späth ist ein Maßstab für die Besoldung schwer zu finden. Man könne sie nicht unbedingt an Gewinn oder Umsatz eines Jahres festmachen, weil es in Sanierungsphasen auch finanzielle Durststrecken und Verluste geben könne, sagte er im Deutschland-Radio Berlin. Gesetzliche Regelungen lehnte er ab.</P>

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