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Arcandor stellt Insolvenzantrag, auch für Karstadt, Primondo und Quelle.

Arcandor-Insolvenz: Was das bedeutet

Essen - Arcandor stellt am Dienstag Insolvenzantrag, auch für Karstadt, Primondo und Quelle. Merkel: Regierung wird mit Personalvertetungen von Arcandor sprechen.

Das Essener Handels- und Touristikunternehmen Arcandor hat Insolvenzantrag gestellt. Wie das Unternehmen am Dienstag in Essen mitteilte, sind beim Amtsgericht Essen Anträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit für die Arcandor AG sowie drei Tochterunternehmen gestellt worden.

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Bei den Töchtern handele es sich um die Karstadt Warenhaus GmbH, die Primondo GmbH und die Quelle GmbH. “Vom Insolvenzverfahren werden die Thomas Cook Group plc, die Primondo-Specialty Group GmbH mit ihren Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sowie der Homeshopping-Sender HSE24 unberührt bleiben“, heißt es in einer Mitteilung.

Das Amtsgericht Essen bestätigte, dass am Mittag Eigenanträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens von den Gesellschaften Arcandor AG, Karstadt Warenhaus GmbH, Primondo GmbH (alle Essen) und Quelle GmbH (Fürth) eingegangen sind. Es soll noch am Nachmittag ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt werden, teilte der Gerichtssprecher mit.

Eine Insolvenz muss nicht das Aus bedeuten

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Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Regierung werde mit Personalvertetungen von Arcandor sprechen. Sie sagte, der Insolvenzantrag sei ein unvermeidlicher Schritt, der auch neue Chancen biete.

Die Bundesregierung will nach Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Beschäftigten von Arcandor helfen. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) werde sich schnell mit den Personalvertretungen an einen Tisch setzen, kündigte Merkel am Dienstag in Berlin an. Sie sah in dem Antrag von Arcandor auch eine Chance, dass in dem Unternehmen durch ein Zusammengehen mit dem Metro-Konzern Beschäftigung erhalten werden könne.

Arcandor will sich sanieren

Arcandor will sich über das Insolvenzverfahren sanieren und den Fortbestand sichern. Das sagte am Montag Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski in Essen. Die Haupteigentümer würden sich unverändert zum Fortbestand des Unternehmens bekennen.

Für Kunden soll es keine Einschränkungen geben. “Alle Geschäfte laufen ungehindert weiter“, sagte Koslowski. Garantien, Anzahlungen oder Rückgaberechte würden nicht angetastet. Für die Beschäftigten seien die Gehaltszahlungen bis August gesichert. Betroffen seien von den Insolvenzanträgen 43.000 Beschäftigte.

Ermittlungen gegen Eick

Die Staatsanwaltschaft Essen hat gegen Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung eingeleitet.

Oberstaasanwältin Angelika Matthiesen sagte am Dienstag der AP, Auslöser sei die Strafanzeige eines Privatmanns gegen den Manager. Allerdings beruhe die Anzeige lediglich auf Zeitungsartikeln zur Krise des Essener Touristik- und Handelskonzerns.

Metro ist gesprächsbereit

Zuvor waren Anträge auf eine Staatsbürgschaft sowie auf eine staatliche Rettungsbeihilfe ohne Erfolg geblieben. Auch ein in der Nacht zum Dienstag unternommener letzter Anlauf, Eigentümer, Banken und Vermieter zu einem größeren Rettungsbeitrag zu überreden, war gescheitert. Wie “Spiegel-online“ berichtete, gehen Regierungskreise davon aus, dass nun die Verhandlungen zwischen dem Metro-Konzern und Arcandor über eine Zusammenführung der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof weitergeführt werden.

Der Metro-Konzern hatte bereits am Montagabend Gesprächsbereitschaft auch im Falle einer Insolvenz erklärt. Das Konzept funktioniere auch mit einer insolventen Karstadt-Kette, hieß es aus Unternehmenskreisen. Metro hatte bisher vorgeschlagen, 60 der 90 Karstadt-Häuser zu erhalten. Die Gespräche sollen schnell fortgesetzt werden.

dpa/AP

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