Arcandor im Visier der Finanzaufsicht - Kursrutsch

Bonn/Essen - Der Essener Handels- und Tourismuskonzern Arcandor ist wegen seiner Informationspolitik ins Visier der Finanzaufsicht geraten.

"Wir schauen uns das an, sowohl unter Ad- hoc-Gesichtspunkten als auch den Handelsverlauf der vergangenen Tage", sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Freitag in Bonn. Derzeit sei jedoch noch keine Entscheidung darüber gefallen, ob eine Untersuchung eingeleitet werde. Ein Unternehmenssprecher in Essen wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Die Aktie des Handels- und Touristikkonzerns hatte in den vergangen zwei Tagen eine rasante Berg- und Talfahrt absolviert. Am Mittwochvormittag hatte Arcandor verkündet, sich mit den Gläubigerbanken über dringend benötigte Kredite geeinigt zu haben. Spekulationen, wonach die Banken als Pfand Anteile der Tochter Thomas Cook verlangen, wurden vom Konzern dementiert. Die Aktie schoss daraufhin um zeitweise 20 Prozent in die Höhe.

Am gleichen Tag nach Börsenschluss veröffentlichte Arcandor dann eine Mitteilung (Ad-hoc) und stellte klar, dass im Zusammenhang mit der Bankeneinigung die Holding-Struktur überprüft werde. Dies könne auch bedeuten, dass die Beteiligungen an Karstadt und Thomas Cook reduziert werden.

Die Arcandor-Aktie rutschte daraufhin am Donnerstag auf ein Rekordtief und setzte am Freitag ihren freien Fall fort. Nach Verlusten von knapp 30 Prozent am Donnerstag gab der Kurs am Freitag noch einmal in der Spitze bis über 30 Prozent nach und sackte damit erstmals deutlich unter zwei Euro. Vor einem Jahr hatte der Kurs noch bei knapp 25 Euro gelegen.

Unter Aktionärsschützern ist unterdessen eine Diskussion über mögliche personelle Konsequenzen aus der Krise ausgebrochen. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) forderte den Rücktritt von Arcandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff. SdK-Sprecher Lothar Gries bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht der "Welt" (Samstag). "Wir sind der Meinung, dass Middelhoff seine Glaubwürdigkeit gegenüber den Anlegern verspielt hat", sagte Gries.

Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, wies die Forderung nach einem Chefwechsel dagegen zurück. "Das ist keine Lösung. Ein Externer bräuchte Monate, um sich in das Unternehmen einzuarbeiten", sagte er. Das mache derzeit keinen Sinn. Das Unternehmen müsse nun jedoch dringend Klarheit über seine Pläne schaffen. "Jeder Tag, den Arcandor ohne Stellungnahme verstreichen lässt, ist eine Höllenqual für die Anleger", sagte er.

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