Arcelor flüchtet vor Indern in russische Arme

- Paris - In fast aussichtsloser Lage hat Arcelor-Chef Guy Dollé seine entscheidende Trumpfkarte gespielt: Er hat den russischen Multimilliardär Alexej Mordaschow als Partner gewonnen, um die Arcelor-Übernahme durch den indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal zu vereiteln. Damit wird der Kampf um den umsatzstärksten Stahlkonzern der Welt auch zu einem Duell zweier der reichsten Industriellen der Erde.

Mittal hatte den Braten gerochen: Mit der Erhöhung seines Angebots um 34 Prozent bot der Inder den Arcelor-Aktionären vor einer Woche ein Geschäft an, das man kaum ausschlagen kann. Er gab dabei sogar seine "heiligen Prinzipien" preis, indem er 7,6 Milliarden Euro in bar drauflegte und auf die Mehrheit am Gesamtkonzern verzichtete. Viele Arcelor-Aktionäre rieben sich bereits die Hände.

Allerdings irritierte am Finanzplatz Paris die gelassene Reaktion der Wirtschaftspatrioten in Paris. Hatte die französische Regierung Mittals erstes Angebot noch heftig attackiert, so erklärte Finanzminister Thierry Bréton jetzt lapidar: "Das müssen die Aktionäre entscheiden." Aber da wusste Bréton wohl schon, dass die Verhandlungen mit Mordaschow kurz vor dem Ziel waren und der russische Präsident Wladimir Putin einverstanden war.

Dollé handelte in der Übernahmeschlacht von Anfang an nach dem Motto "Alles außer Mittal". So setzte er Himmel und Erde in Bewegung, um bei den beteiligten Regierungen, der EU-Kommission und den Aktionären Stimmung gegen den Inder zu machen. Er nannte die von Mittal für Arcelor gebotenen Aktien "Affengeld" und umgarnte die eigenen Aktionäre mit einer riesigen Sonderzahlung von fünf Milliarden Euro - ohne Dividende. Außerdem versuchte er, Arcelor mit Firmenkäufen schwerer verdaulich zu machen und das Kapital mit Hilfe von Bündnispartnern von Korea über Japan bis Russland zu verriegeln.

Mit der russischen Severstal scheint Dollé den Traumpartner gefunden zu haben, mit dem er den weltgrößten Stahlkonzern schmieden kann. Er nutzt dabei die Möglichkeit des Luxemburger Börsenrechts, das Arcelor-Kapital zu erhöhen und die jungen Aktien - fast ein Drittel des Gesamtkapitals - Mordaschow zu reservieren. Mit dem Kauf der Aktien gibt der Russe Arcelor das Geld, seine Stahlfirma zu übernehmen. Sollte Mittal es trotzdem schaffen, die Mehrheit des Arcelor-Kapitals zu bekommen, würde das Geschäft rückgängig gemacht. Mittal soll Severstal nicht in die Finger bekommen.

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