Arcelor-Mittal: Wie Thyssen-Krupp vom Stahlriesen profitieren kann

- Düsseldorf - Wohl nirgendwo in Deutschland wird die Fusion der weltgrößten Stahlkonzerne Mittal und Arcelor aufmerksamer verfolgt als in der Düsseldorfer Zentrale von Thyssen-Krupp. Denn Deutschlands Nummer eins könnte zu den Gewinnern der Fusion gehören: Wenn Mittal sein Versprechen einhält, nach einem Sieg in der Übernahmeschlacht Thyssen-Krupp den kanadischen Konkurrenten Dofasco zu verkaufen.

Thyssen-Krupp bekäme das lang ersehnte Standbein auf dem US-Markt. Einen entsprechenden Vertrag hatten die Deutschen im Januar mit Lakshmi Mittal, dem Chef des Familienkonzerns, geschlossen. Jetzt beharrt der Ruhr-Konzern auf Erfüllung.

"Thyssen-Krupp geht nach wie vor davon aus, dass Mittal Steel diese Verpflichtung honorieren und die Veräußerung unmittelbar nach Abschluss der Transaktion von Arcelor vollziehen wird", sagte Konzernsprecher Klaus Pepperhoff. Immerhin 3,8 Milliarden Euro will Thyssen-Krupp sich das Geschäft kosten lassen.

Doch ist es eine Zitterpartie. Auch wenn aus der feindlichen Übernahme im letzten Moment eine freundliche "Fusion unter Gleichen" wurde: Beim Thema Dofasco stehen sich die Kontrahenten nach wie vor unversöhnlich gegenüber.

"Arcelor ist weiterhin gegen den Verkauf von Dofasco", heißt es beim Luxemburger Unternehmen. Mittal Steel verspricht lediglich: "Die Diskussion dieser Frage wird nach dem erfolgreichen Abschluss des Übernahmeangebots fortgesetzt."

Dennoch stehen die Chancen für Thyssen-Krupp nicht schlecht, vom Zusammenschluss zu profitieren. "Arcelor Mittal wird sich aus kartellrechtlichen Gründen von Anlagen in Europa und den USA trennen müssen", sagt West-LB-Analyst Michael Tappeiner. Falls der Dofasco-Verkauf platze, habe Thyssen-Krupp immer noch die Chance, andere Werke zu erhalten.

So oder so - gegenüber dem neuen Riesen wirkt Deutschlands Nummer eins wie ein Zwerg. Während Arcelor Mittal rund 100 Millionen Tonnen Rohstahl jährlich produzieren wird, kommt der Ruhrkonzern gerade auf 16,5 Millionen.

Gejammer über die Marktmacht des neuen Weltmarktführers ist bislang nicht zu hören. Im Gegenteil: Viele hoffen, dass der neue Riese für mehr Produktionsdisziplin auf dem zersplitterten Stahlmarkt sorgen und damit die Preisschwankungen dämpfen wird. Gleichzeitig dürfte die Fusion den Startschuss für eine neue Übernahmewelle geben. Im Vergleich mit ihren wichtigsten Kunden, den Automobilherstellern und den großen Rohstoffkonzernen wirkt die Stahlindustrie hoffnungslos zersplittert. Das rächt sich bei Preisverhandlungen.

Bei der anstehenden Konsolidierungswelle sind Deutschlands Stahlkonzerne in einer komfortablen Position. Thyssen-Krupp wird durch das große Aktienpaket der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung geschützt, der Konkurrent Salzgitter durch die Sperrminorität des Landes Niedersachsen. So können sie abwarten und hoffen, von Kaufgelegenheiten zu profitieren.

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