Arques kämpft um den Platz im M-Dax

Starnberg - Die Starnberger Beteiligungsfirma Arques hat an der Börse einen gnadenlosen Ausverkauf erlebt. Nun will der neue Vorstandschef verlorenen Boden gutmachen. Misslingt das, droht der Abstieg aus der zweithöchsten deutschen Aktienliga.

Michael Schumann frisst derzeit Flugmeilen. Gerade kommt er aus New York, vorher war Wien angesagt und nach ein paar Tagen Luftholen wird der Flieger gen London abheben. Zürich und Paris folgen. In all diesen Städten trifft der 46-Jährige Investoren und wirbt für sein Unternehmen. Das ist nötig, weil die Arques Industries AG zuletzt keine gute Figur an der Börse abgegeben hat. "Wir müssen wieder Vertrauen aufbauen", beschreibt Schumann den Zweck seiner PR-Tour.

Der blonde Manager steht einer Beteiligungsgesellschaft vor. Arques erwirbt angeschlagene Mittelständler, saniert sie und stößt die gesundeten Patienten nach einigen Jahren mit Gewinn wieder ab. "Heuschrecken" nannte der frühere SPD-Chef Franz Müntefering solche Aufkäufer einst. Doch anders als die Branchengrößen KKR oder Permira ist Arques auf Sanierungsfälle spezialisiert, deren Kauf sie aus der eigenen Tasche finanziert. Derzeit gehören 23 Firmen mit insgesamt 12 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von fünf Milliarden Euro zum Portfolio.

Lange operierte das vor fünf Jahren gegründete Unternehmen unauffällig. Im ersten Halbjahr 2007 jedoch meldete die Arques AG binnen kurzer Zeit den Verkauf von vier Beteiligungen, darunter der Kinderwagenhersteller Teutonia und der Papierhändler Salto Paper. Plötzlich prügelten sich die Anleger um die Aktien der Starnberger: Von Januar bis Juli schoss der Kurs von 16 Euro auf ein Rekordhoch von 42 Euro. Weil dadurch der Börsenwert explodierte, schaffte Arques den Sprung in die M-Dax-Familie. Zu der gehören 50 mittelgroße deutsche Firmen, darunter der Baukonzern Hochtief oder die Sendergruppe ProSiebenSat.1.

Minus 80 Prozent

Kurz nach dem Gipfelsturm drehten sich die Zeiger jedoch steil nach unten. Die Finanzkrise trug ihren Teil dazu bei, in deren Verlauf alle Aktien unter Druck gerieten. Doch während der M-Dax seit Juli rund 17 Prozent verlor, fiel das Arques-Papier um 80 Prozent auf heute unter acht Euro - und stürzte damit tiefer als viele andere.

Dafür gibt es ein Bündel an Gründen. Da ist etwa der kurze Auftritt von Schumanns Vorgänger Martin Vorderwülbecke. Der hatte Anfang 2008 nach neun Monaten im Amt seinen Hut genommen, weil er nicht zu einer "langfristigen Bindung an das Unternehmen" bereit sei. Mancher Beobachter fand das unschlüssig und selbst Michael Schumann räumt ein: "Das hat den Markt verunsichert." Zumal sich Ende Dezember mit Markus Zöllner bereits ein anderes Vorstandsmitglied verabschiedet hatte.

In den nervösen Börsentagen um den Jahreswechsel verstärkten weitere Nachrichten die Skepsis. So meldete im Dezember eine frühere Tochter Insolvenz an, was potenzielle Käufer von Arques-Firmen alarmierte. Zudem musste das Management im März den veranschlagten Wert von drei Firmen im Portfolio erheblich nach unten korrigieren. Als dann noch bekannt wurde, dass 2007 der Nettogewinn stagnierte, die versprochene Dividende ausbleibt und der Börsengang der wichtigsten Beteiligung Actebis vorerst ausfällt, ließen die Anleger Arques endgültig fallen. Da half auch der vergangenes Jahr erzielte Rekordumsatz nicht mehr.

Michael Schumann müht sich, zerbrochenes Geschirr zu kitten. "Unser Geschäftsmodell funktioniert und bewährt sich auch in schlechten Zeiten", betont der promovierte Politologe. Um das zu unterstreichen, hat er zuletzt selbst 10 000 Aktien erworben. Der Vorstand ist sich sicher: "Durch die Transaktionen, die wir heuer noch haben werden, wird die Aktie wieder zulegen."

Zehn bis 15 Zukäufe sind nach seinen Worten bis zum Jahresende geplant. Wie am Markt gemunkelt wird, sind darunter auch die Reste der Telefonsparte von Siemens. Auf der anderen Seite sollen heuer noch mindestens zwei weitere Firmen abgestoßen werden, nachdem sich Arques bereits von drei Beteiligungen getrennt hat. 40 Millionen Euro hat das Unternehmen dabei eingenommen.

An Actebis hängt viel

Motiviert davon verspricht Schumann für das Gesamtjahr nicht mehr nur steigende Erlöse und ein wachsendes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ziel: 275 Millionen Euro), sondern auch einen höheren Nettogewinn: "Der Jahresüberschuss wird deutlich zulegen", sagt er.

Doch diese Prognose fußt nach Ansicht einiger Analysten auf einem wackligen Fundament. Sie hänge wesentlich von dem aufgeschobenen Teil-Börsengang des IT-Großhändlers Actebis ab, der mehr Umsatz macht als die anderen Arques-Beteiligungen zusammen. Den kann es aber nur geben, wenn sich die Stimmung am Aktienmarkt aufhellt. Zu 80 Prozent, sagt Schumann, werde es im Herbst soweit sein. "Dann können wir umgehend loslegen."

Sollten sich die Wolken nicht verziehen, muss Arques um den prestigeträchtigen Platz im M-Dax fürchten. Wegen des Kurssturzes ist die Marktkapitalisierung unter das Niveau des Mittelwerte-Index geschrumpft, wie Christian Stocker, Analyst der Unicredit-Gruppe in München, sagt. Bleibt ein Impuls durch den Verkauf von Actebis-Aktien aus, würden die Starnberger spätestens im September wieder aus dem Index gestrichen. Das könnte die Arques-Titel weiter unter Druck bringen, denn Fonds, die den M-Dax nachbilden, müssten sich dann von den Titeln trennen.

Es ist noch nicht soweit. Nach den Worten von Unicredit-Analyst Christian Stocker bleibt der Vorstandsriege um Michael Schumann etwas Zeit, die Position wieder zu verbessern. Sollte das jedoch nicht gelingen, sagt der Index-Spezialist, "droht der Abstieg".

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