Wie die "Art der Österreicher" Bayerns Banken Respekt abringt

Oberbank-Chef: - München -­ Die Oberbank aus dem oberösterreichischen Linz hat auch in diesem Jahr wieder Rekordzahlen zu vermelden. 90 Prozent des Kreditzuwachses von immerhin über acht Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr im Ausland, das heißt außerhalb Österreichs, erzielt. Die börsennotierte Bank ist dabei vorwiegend in Tschechien ­ und in Bayern aktiv. Nicht immer zur Freude der heimischen Kreditwirtschaft. Wir sprachen mit dem Vorstandschef der Oberbank, Franz Gasselsberger.

Welche Rolle spielt Bayern für Ihr Geschäft?

Franz Gasselsberger: Eine wichtige. Wir haben 12 000 Kunden in Bayern, 2500 haben wir allein im vergangenen Jahr dazugewonnen. Heuer sollen zwei neue Filialen eröffnet werden, eine in Bamberg und eine in Würzburg. Und wir wollen noch weiter expanideren.

Wie viele Geschäftsstellen wollen Sie denn mittelfristig in Bayern haben?

Gasselsberger: Ich denke 15 ist eine gute Zahl.

Wenn Sie eine Filiale in einem neuen Gebiet aufmachen, spüren Sie da die Angst der lokalen Konkurrenten?

Gasselsberger: Ich würde nicht von Angst, sondern von Respekt reden.

Aber Sie müssen doch den anderen Banken Kunden abnehmen, wenn Sie erfolgreich sein wollen. Wie machen Sie das?

Gasselsberger: Natürlich liegt es an guten Konditionen und an unserer Flexibilität. Es liegt aber auch an der Art der Österreicher.

Und wie ist die?

Gasselsberger: Wir sind im besonderen Sinne konservativ. Das heißt, wir bleiben unserem scheinbar faden Geschäftsmodell treu: Und das basiert auf Kontinuität, Gediegenheit und vor allem Überraschungsfreiheit. Das sind alles Dinge, die ein Kunde bei seiner Bank schätzt. Ich fürchte nur den Tag, an dem die Großbanken aufhören, ihr Geschäft umzuorganisieren. Es hilft der Oberbank ungemein, wenn die Großen, meist angetrieben von Unternehmensberatern, ihre Organisation ändern und dabei Kunden ausgliedern und von ihren langjährigen Betreuern trennen. Wir dagegen sind weitgehend resistent gegen Unternehmensberater.

Das kann doch nicht das ganze Erfolgsgeheimnis sein.

Gasselsberger: Nun, wir haben nie unser Filialnetz in Frage gestellt und uns immer ausdrücklich zum Mittelstand bekannt, auch zu einer Zeit, als Großbanken das durchaus anders hielten.

Das können auch die Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Bayern von sich behaupten.

Gasselsberger: Wir haben eine Bilanzsumme von mittlerweile über 13 Milliarden Euro. Bei den Sparkassen ist es oft so, dass ihnen große Kunden davonwachsen.

Profitieren Sie auch davon, dass die HypoVereinsbank als großer Konkurrent an die Unicredit verkauft wurde?

Gasselsberger: Ich glaube schon, dass die Bayern Probleme damit haben, dass "ihre" Bank nicht mehr bayerisch ist.

Sie werden demnächst Ihre Bilanz präsentieren und haben bereits angedeutet, dass es erneut ein Rekordjahr für die Oberbank war.

Auch in Bayern?

Gasselsberger: Gerade in Bayern. Das Geschäft hier war ein Motor für unser Wachstum. Und es gibt Grund zur Annahme, dass das so bleibt. Die Stimmung in Bayern hat sich nämlich vor vier, fünf Monaten schlagartig gedreht. Zuvor war sie immer im Ausland besser. Das hat sich gründlich verändert.

Wie äußert sich das?

Gasselsberger: Wir haben so viele Investitionsprojekte wie lange nicht mehr. Das heißt, die Stimmung hat sich nachhaltig gebessert, es handelt sich nicht um ein Strohfeuer. Die Firmen strahlen wirklich wieder Zuversicht aus.

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