Arzt-Bewertung im Netz: So funktioniert's

Wer einen guten Arzt sucht, muss sich bisher auf Mundpropaganda verlassen. Mit einem neuen Bewertungsportal wollen AOK und Barmer GEK Orientierung bieten. Wie der neue Arzt-Navigator funktioniert, zeigt unser Überblick.

Als die AOK vor zwei Jahren ein Bewertungsportal für Ärzte ankündigte, hagelte es Kritik. Die Mediziner befürchteten unfaire Bewertungen und warnten vor Missbrauch. Bei der Vorstellung des neuen Arztnavigators bemühten sich daher die Kassen-Vertreter, die Kritik zu entkräften. „In unserem Portal finden Sie keine Ranglisten und auch keine Schulnoten“, sagte der Vizechef des AOK Bundesverbandes, Jürgen Graalmann. Mit der Auswahl der Kriterien sei ein „Maximum an Fairness für die Ärzte“ erreicht.

Wer kann das Portal nutzen?

Beurteilungen von Ärzten können vorerst nur die etwa 30 Millionen Versicherten der AOK und der Barmer GEK abgeben. Voraussichtlich ab Anfang 2012 sollen sich auch Versicherte anderer Kassen beteiligen können. Die Ergebnisse der Befragung sind dagegen für jeden im Internet kostenfrei zugänglich – ganz gleich, wie er versichert ist. Das Portal findet sich sowohl unter www.weisse-liste.de als auch unter www.aok-arztnavi.de sowie http://arztnavi.barmer-gek.de.

Wie funktioniert die Arzt-Bewertung?

Um eine Beurteilung abzugeben, muss sich der Versicherte zunächst online registrieren. Dazu braucht er seine Versichertennummer. Danach ist ein Bogen mit insgesamt 33 Fragen zu beantworten. Die Versicherten können etwa angeben, ob der Arzt sie in Entscheidungen einbezieht, ob die Intimsphäre gewahrt bleibt und ob sie den Mediziner an Freunde weiterempfehlen würden. Auch die Räumlichkeiten und die Wartezeit können bewertet werden. Die Beurteilung erfolgt nicht über Schulnoten. Stattdessen stehen zu jeder Frage fünf Kästchen zur Auswahl – von „trifft voll und ganz zu“ bis „kann ich nicht beurteilen“. Um Beschimpfungen von Ärzten auszuschließen, gibt es keine Freitexte-Felder.

Bleibt meine Bewertung anonym?

Ja. Weder der Arzt noch die Betreiber des Internet-Portals wissen, wer an der Befragung teilgenommen hat.

Gibt es einen Schutz vor Missbrauch?

Nur registrierte Nutzer dürfen eine Bewertung abgeben. Jeder Versicherte kann jeden Arzt auch nur einmal beurteilen. Bei einer erneuten Bewertung werden die älteren Ergebnisse überschrieben. Mit zusätzlichen Sicherheitsmechanismen wird geprüft, ob die Angaben plausibel sind. Grundsätzlich werden die Ergebnisse zu einem Arzt erst veröffentlicht, wenn mindestens zehn Beurteilungen vorliegen.

Können alle Ärzte beurteilt werden?

Der „Ärzte-TÜV“ erfasst nur die niedergelassenen Mediziner, die regelmäßig Kontakt zu Patienten haben. Pharmakologen und Pathologen können nicht beurteilt werden. Auch Zahnärzte und Psychotherapeuten sind vorerst ausgeschlossen. Für beide Gruppen sollen langfristig eigene Fragebögen entwickelt werden.

Können sich Ärzte wehren?

Die Mediziner werden regelmäßig über neu eingehende Beurteilungen informiert. Zudem gibt es die Möglichkeit, die Ergebnisse auf der Seite deutlich sichtbar zu kommentieren. Die anfängliche Kritik am neuen „Arztnavi“ ist inzwischen etwas abgeebbt. „Dieses Portal kann eine Informationsquelle sein“, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Roland Stahl. Im Gegensatz zu anderen Angeboten, die wie ein „elektronischer Pranger“ wirkten, berücksichtige das Portal Qualitätsrichtlinien der Ärzteschaft.

Wer steht hinter dem Portal?

Der neue Ärztenavigator wird von der AOK und der Barmer GEK und der Weißen Liste getragen – einem Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen.

Wie finanziert sich das Projekt?

Die Nutzung des Portals ist umsonst. Es gibt keine Werbung auf den Internet-Seiten. Die Entwicklung und der Betrieb des Portals werden von der Bertelsmann Stiftung getragen. Die beiden beteiligten Krankenkassen finanzieren nur die Informationen für ihre Versicherten.

Gibt es bereits Erfahrungen?

Das Portal wurde in Hamburg, Berlin und Thüringen bereits mit 45 000 Versicherten getestet. Die große Mehrheit bewertet ihren Arzt positiv. So würden 77 Prozent ihren Hausarzt „bestimmt“ ihrem besten Freund oder Freundin empfehlen. Nur 1,5 Prozent würden keine Weiterempfehlung geben.

Steffen Habit

Rubriklistenbild: © dpa

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