Vier Tage vor Anschlag: Attentäter flog von Düsseldorf nach Manchester

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Die meisten Beschwerden von Patienten betreffen angebliche Fehler bei Operationen. Doch der Nachweis ist meist schwer zu führen.

Arztfehler: Ihre Rechte als Patient

München - Immer mehr Patienten stellen die Leistung von Ärzten in Frage. Manchmal liegt tatsächlich ein Behandlungsfehler vor. Was Sie bei einem solchen Verdacht tun können und an wen Sie sich wenden müssen:

Früher war das, was der Arzt gesagt hat, in Stein gemeißelt. Das hat sich geändert: Zunehmend hört man von Behandlungsfehlern durch Ärzte. Nicht etwa weil es mehr Fälle als früher gibt, sondern weil die Patienten selbstbewusster geworden sind und die ärztliche Leistung hinterfragen. Allerdings begibt sich der Patient beim Verdacht auf einen Behandlungsfehler auf Glatteis: „Die Beweislast liegt zunächst bei ihm“, sagt Wolfgang Schuldzinski, Jurist bei der Verbraucherzentrale NRW. Einen Fehler bei der Diagnose oder Therapie nachzuweisen, ist gar nicht so einfach. Deshalb sollte man Schritt für Schritt vorgehen und die Chancen auf Schadenersatz zunächst sorgfältig prüfen, rät der Jurist.

Was ist ein Behandlungsfehler?

Man spricht von einem Behandlungsfehler, wenn der Arzt oder ein anderer Behandler – Zahnarzt, Heilpraktiker, Pflegepersonal – die Sorgfaltspflicht verletzt hat. Das heißt: Bei der Diagnose, der Therapie, der Aufklärung oder bei Hygienemaßnahmen ist ein Fehler unterlaufen, durch den der Patient einen Schaden erlitten hat. Der Arzt, beziehungsweise seine Haftpflichtversicherung, ist dann zu Schadensersatz verpflichtet. Prolematisch ist, dass der Patient dem Arzt den Fehler nachweisen muss. Ein Knackpunkt, an dem viele Verfahren scheitern. Anwälte wenden dann häufig einen Kunstgriff an. Wenn sie dem Arzt nachweisen können, dass er den Patienten vor einem Eingriff mangehaft aufgeklärt hat, steht der Arzt in der Beweispflicht. Dann muss er beweisen, dass er den Patienten umfassend informiert hat und die anschließende Behandlung fehlerfrei war.

Die fünf häufigsten Einzeldiagnosen, bei denen Behandlungsfehler bei niedergelassenen Ärzten festgestellt wurden, sind:

- Brustkrebs

- Unterarmfraktur

- Deformität, Zehen, Finger

- Unterschenkel- und Sprunggelenkfraktur

- Prostatakrebs

Kostenloser Rat für Patienten

Im ersten Schritt sollte man sich an seine Krankenkasse wenden. Sie kann mit einem Gutachten des Medizinischen Dienstes (MDK) die Chancen auf Schadensersatz einschätzen. Dafür muss der Patient alle Unterlagen vorlegen: OP-Berichte, Krankenakte, Laborberichte und Röntgenbilder. „Der Patient hat ein Recht auf Akteneinsicht und Kopien der Dokumente. Hier sollte er sich von Arzt oder Klinik nicht einschüchtern lassen“, rät Schuldzinski. Einige Kassen haben inzwischen Zentren eingerichtet, die das Vorgehen gegen Behandlungsfehler managen, zum Beispiel die AOK oder die Techniker Krankenkasse. Erweist sich der Verdacht als richtig, erstellt der MDK ein Gutachten. Dann gibt es zwei Wege, Schadensersatzansprüche geltend zu machen: gerichtlich und außergerichtlich.

Außergerichtliche Schlichtung

Bei der Gutachterkommission oder den Schlichtungsstellen der Landesärztekammern kann man eine außergerichtliche Einigung anstreben. Das Verfahren ist kostenlos, wenn auch langwierig: zwölf bis 18 Monate. „Dieser Weg empfiehlt sich, wenn die Beweislage eindeutig ist“, sagt Schuldzinski. Denn entschieden wird nur nach Aktenlage. Handelt es sich bei dem Fall um „mangelnde Aufklärung“ durch den Arzt, kann die Kommission nichts ausrichten. Dann muss man gleich den Klageweg beschreiten. Bevor man sich an die Kommission wendet, sollte man sich von einem Fachanwalt für Medizinrecht beraten lassen. Eine Entscheidung der Schlichtungsstelle ist nicht verbindlich, gerichtlich vorgehen kann man trotzdem.

Wenn der Fall vor Gericht geht

Vor Gericht benötigt man einen Rechtsanwalt – am besten einen durch entsprechende Fallzahlen ausgewiesenen Fachanwalt für Medizinrecht oder Versicherungsrecht. Anwaltsvereine helfen bei der Suche. Ab jetzt entstehen Kosten für den Patienten. Und die können erheblich sein. Denn die Kosten für den Anwalt und das Gericht richten sich nach dem Streitwert des Verfahrens, also der Höhe der Schadensersatzforderung. „Möglicherweise übernimmt die Rechtsschutzversicherung die Kosten. Das sollte man aber vorher klären“, rät Jurist Schuldzinski.

Wann ein Fall verjährt

Oft ist den Patienten nicht gleich bewusst, dass Beschwerden auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen sind. Es ist für die Verjährung folglich nicht der Zeitpunkt des Behandlungsfehlers ausschlaggebend. Vielmehr beginnt die Frist mit Ablauf des Jahres, in dem der Patient die Erkenntnis erlangt hat, dass ein Behandlungsfehler vorliegen könnte. Entscheidend ist also, wann der Patient Kenntnis vom Problem hatte. Beispiel: Der Patient erwacht aus der Narkose und das operierte Bein macht größere Beschwerden. Er spricht die Schwester und den Arzt darauf an. Wenn er nun erst vier Jahre später Schadenersatzansprüche anmeldet, ist der Fall bereits verjährt.

Wie man Ärger vorab vermeidet

Damit es gar nicht erst zu einem Behandlungsfehler kommt, muss der Patient selbstbewusst seine Krankheit in die Hand nehmen: Nachfragen hat oberste Priorität – wenn man etwas nicht verstanden hat, sollte man so lange nachbohren, bis alles klar ist. Kommt einem etwas komisch vor, sollte man ein Patiententagebuch führen und darin Aussagen von Krankenschwestern oder Ärzten mit Datum und Uhrzeit festhalten – da kann auch der Bettnachbar als Zeuge wichtig sein.

Hilfreiche Adressen

Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD), Bundesweites Beratungstelefon: 0 18 03/ 11 77 22, Mo-Fr 10 bis 18 Uhr, www.unabhaengige-patientenberatung.de.

Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen (BAGP), Auf der Website www.bagp.de. gibt es eine Broschüre mit einem Musterbrief zur Anforderung der Einsicht in die Krankenakte. Tel.: 089/76 75 51 31

Deutscher Anwaltverein (DAV) e.V. Hilft bei der Suche nach einem geeigneten Fachanwalt. Littenstraße 11, 10179 Berlin, Tel.: 030/72 61 52-0, www.anwaltverein.de.

Deutscher Patientenschutzbund e.V. Selbsthilfe für Menschen, die einen medizinischen Schaden erlitten haben. Schlossstraße 37, 41541 Dormagen, Tel: 0 21 33/4 67 53, www.bag-notgemeinschaften.de.

Ombudsmann der privaten Krankenversicherung, www.pkv-ombudsmann.de.

Bundesärztekammer, Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin, Tel.: 030/ 4 00 45 67 00, www.bundesaerztekammer.de. Hier finden sich auch die Adressen der Landesärztekammern.

Mehr Informationen zum Thema

gibt es unter der Fax-Abrufnummer 09001/25 26 65 52 (1 Minute = 0,62 Euro) bis 22. April. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Behandlungsfehler beim Arzt“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf

Von Anette Jäger

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