Asiatischer Aktienmarkt: Einbruch bietet Einstiegschancen

- München - Nach dem fulminanten Anstieg der asiatischen Aktienmärkte bis zu Beginn dieses Jahres war es höchste Zeit für eine Korrektur. Der Aktienindex Hang Seng verlor gegenüber dem Höchststand dieses Jahres zeitweise rund 23 Prozent und ging bis auf 10919 Punkte zurück. Auch andere Börsen, wie der taiwanesische Aktienindex TWSE und der thailändische SET, wiesen ähnlich hohe Verluste aus.

<P>Einen Grund für diesen Kursrückgang sieht Thomas Gerber, Asienexperte der Fondsgesellschaft Adig, in der Sorge um steigende Zinsen. Angesichts wachsender Inflationsgefahren in Amerika hat Alan Greenspan, Chef der amerikanischen Notenbank, jüngst durchblicken lassen, dass die Zeit niedriger Zinsen nun vorbei sei. Schlechte Nachrichten für Aktienanleger in aller Welt, da dadurch festverzinsliche Anlagen attraktiver werden und höhere Zinsen die Konsumfreude der Verbraucher dämpfen. "Erst wenn die Unsicherheit, ob die US-Notenbank die Zinsen maßvoll anhebt, aus dem Markt ist, werden sich die Börsen wieder beruhigen", erklärt Gerber.<BR><BR>Doch noch ein zweiter Grund brachte Asiens Börsen zuletzt gehörig unter Druck. So hatte die chinesische Regierung angekündigt, die Konjunktur abzubremsen. Und das mit gutem Grund, schließlich lag das Wirtschaftswachstum in China in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahresquartal bei 9,8 Prozent. "Damit drohte der chinesischen Wirtschaft eine Überhitzung", erläutert Gerber. Das aber verunsicherte die Anleger. Mancher fragte sich, ob Chinas Regierung eine so genannte weiche Landung der Wirtschaft mit gedämpften Wachstumsraten gelingt. Oder könnte es zu einem markanten Wachstumseinbruch kommen?<BR><BR>Eher nicht, sind sich die meisten Experten einig. Die Überhitzung sei durch einen zu starken Anstieg der Anlageinvestitionen zustande gekommen, meinen die Volkswirte von HSBC Trinkhaus & Burkhardt. Doch genau dieses Problem werde von der chinesischen Regierung mit ersten Erfolgen angegangen. Es sei durchaus realistisch, dass das Wachstum in diesem Jahr auf sieben Prozent abgebremst werden kann, meinen die Banker.<BR><BR>Ähnlich sieht es Gerber: "Derzeit spricht vieles dafür, dass es China gelingt, das Wachstum kontrolliert und langsam abzubremsen." Schließlich werde die Entwicklung nur in den Bereichen gebremst, die für die drohende Überhitzung verantwortlich seien. Für China spricht darüber hinaus die unverändert starke Inlandsnachfrage, die maßgeblich für dieses robuste Wachstum verantwortlich ist.<BR><BR>Hinzu kommt, dass mit Japan auch die zweite bedeutende asiatische Volkswirtschaft nach langer Rezession wieder auf die Beine zu kommen scheint. So gelang es den Banken, ihre Bilanzen von den zahlreichen faulen Krediten zu bereinigen. Zudem profitiert Japan von der hohen Nachfrage aus China und dem wieder steigenden Verbrauchervertrauen. Insbesondere die anziehende Konsumnachfrage und die steigenden Investitionsausgaben der Unternehmen stimmen viele Experten positiv.<BR><BR>Zwar sei wegen Unsicherheiten in dieser Region kurzfristig mit starken Schwankungen an den Aktienmärkten zu rechnen, sagt Thomas Gerber. Aufgrund der guten fundamentalen Aussichten werde sich ein Investment in dieser Region aber langfristig auszahlen. Er rät Anlegern über einen Fondssparplan in diese Region zu investieren, anstatt nur einmal einen größeren Betrag einzuzahlen. So könnten Anleger im Falle einer weiteren Korrektur günstigere Fondspreise zum Einstieg nutzen.<BR>dpa<BR></P>

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