Asiens Börsen erholen sich

Tokio/Sydney -

Die Börsen im Asien- und Pazifikraum haben sich am Mittwoch in Reaktion auf die überraschende Not-Zinssenkung der US-Zentralbank von ihren schweren Vortagesverlusten zum Teil erholt.

An der Leitbörse in Tokio notierte der Nikkei-Index für 225 führende Werte eine gute Stunde vor Handelsschluss einen Gewinn von 168,89 Punkten oder 1,34 Prozent beim Stand von 12 741,94 Punkten. Allerdings hatte das Börsenbarometer anfangs noch um über 400 Punkte zugelegt, einen Teil der Gewinne jedoch später wieder abgegeben.

Auch an der Börse in Singapur schmolzen anfänglich starke Gewinne von über vier Prozent zwischenzeitlich wieder ab. So notierte der Straits Times Index bei 2865,55 Punkten, ein knappes Minus von einem Punkt oder 0,03 Prozent. Der neuseeländische NZX50-Index legte um 8,16 Punkte oder 0,23 Prozent auf den Stand von 3615,30 Punkten zu. In Australien stieg der All Ordinaries Index um 210,90 Punkte oder 4,04 Prozent auf 5432,90 Punkte. Der indische Sensex-Index legte in Bombay im frühen Handel zunächst um 773 Punkte oder 4,6 Prozent zu.

Die US-Zinssenkung werde zwar möglicherweise helfen, weitere scharfe Kursrückgänge zu verhindern. Doch bleibe abzuwarten, ob dies genug für eine Trendwende sei, erklärte Norihiro Fujito, Analyst bei Mitsubishi UFJ Securities in der japanischen Finanzzeitung "Nikkei". Es sei unklar, ob die US-Zentralbank die Investoren überzeugen könne, dass sie Willens sei, weiterhin die Zinsen zu senken, bis das erwünschte Ergebnis erreicht sei, hieß es.

Die US-Notenbank hatte auf die Konjunkturrisiken für die weltweit größte Ökonomie mit dem heftigsten Zinsschritt seit fast einem Vierteljahrhundert reagiert. Der Offenmarktausschuss der Fed senkte den Leitzins gleich um 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Mit einem Zinsschritt von mindestens 0,50 Punkten war allgemein für den 30. Januar gerechnet worden. Die US-Währungshüter begründeten den Schritt mit schwächeren Aussichten für die Wirtschaft und zunehmenden Wachstumsrisiken. Außerdem wiesen sie auf die hartnäckige Finanzmarktkrise hin. Marktteilnehmer erwarten, dass die Währungshüter auf ihrer regulären Sitzung am 30. Januar eine weitere Absenkung um mindestens 0,25 Punkte beschließen.

Die US-Regierung erwartet keine Rezession in den USA. Man wisse zudem nichts darüber, dass das Paket zur Stimulierung der US- Wirtschaft höher als bisher erwartet ausfallen könnte, teilte das Weiße Haus in Washington mit. Das angebotene milliardenschwere Konjunkturprogramm über ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) stehe am Beginn der Verhandlungen. Das entspricht nach Regierungsangaben zwischen 140 und 150 Milliarden Dollar. Volkswirte hatten vermutet, dass es möglicherweise noch höher ausfallen könnte.

Ein Aktienhändler in Frankfurt sagte, die Zinssenkung der US-Notenbank zeige, wie dramatisch die Lage sei. In den ersten Handelsminuten war der DAX nach einem Vortagsverlust von gut 7 Prozent erneut um mehr als 5 Prozent abgerutscht, erholte sich aber nach der Entscheidung der Fed. Er schloss mit einem leichten Minus nahe dem Schlussstand des Vortags. "Wir erleben derzeit ein Wechselbad der Gefühle", sagte ein Händler.

Eine unverzügliche Reaktion der Europäischen Zentralbank (EZB) halten Marktbeobachter indes für unwahrscheinlich. "Der geldpolitische Kurs der EZB ist deutlich verhaltener als derjenige der US-Notenbank", sagte Notenbankexperte Michael Schubert von der Commerzbank. Gegen einen Zinsschritt spricht auch die aktuell relativ hohe Teuerung in der Eurozone.

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, schloss im Deutschlandfunk Zinssenkungen wie zuletzt auch EZB- Präsident Jean-Claude Trichet aus. Stark rechnet damit, dass die Korrektur an den Aktienmärkten noch eine Weile anhalten könnte. Ein Großteil der Hypotheken in den USA werde in diesem Jahr fällig und neu zu finanzieren sein. Negative Auswirkungen auf die Konjunktur in Deutschland und der Eurozone befürchte er nicht.

Auch die EU blieb im Hinblick auf ihre Wirtschaftsentwicklung zuversichtlich. In Europa drohe nicht - wie in den USA - eine Rezession, sagte der spanische Wirtschafts- und Finanzminister Pedro Solbes in Brüssel nach Beratungen mit seinen europäischen Amtskollegen. EU-Währungskommissar Joaquín Almunia sagte: "Wir dürfen nicht überreagieren."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht keine Gefahr einer wirtschaftlichen Talfahrt in Deutschland. "Es gibt keine Anzeichen für eine Rezession in Deutschland. Das muss man ganz deutlich sagen", betonte Merkel in einem Interview mit dem Sender NDR Info. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte dem Bonner "General- Anzeiger": "Es macht (...) keinen Sinn, jetzt nervös zu werden. Die ökonomischen Fundamentaldaten in Deutschland und in Europa sind nach wie vor gut."

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