Asiens Wirtschaft ist in bester Verfassung: Rückschläge möglich

- München - Während die Konjunktur hierzulande nur zaghaft in Schwung kommt, warten die Volkswirtschaften Asiens mit hohen Wachstumsraten auf. Dreh- und Angelpunkt dieser Entwicklung ist Chinas Volkswirtschaft, die sich immer stärker für den Welthandel öffnet.

<P>Der Experte staunt, der Laie wundert sich. Zwar wird China von der Kommunistischen Partei regiert, die Wirtschaft aber weist Wachstumsraten auf, von denen andere Länder nur träumen. Im vergangenen Jahr waren es 8 %, in diesem Jahr wird aufgrund der SARS-Krise eine Abschwächung erwartet. Nach Berechnung von Experten der Dresdner Bank sollen es aber 7,8 % sein, 2004 erwarten sie wieder 8 %.<BR><BR>Die Gründe sind vielschichtig. So konnte das bevölkerungsreichste Land der Erde seinen Außenhandel seit Beginn der 90er-Jahre stetig ausbauen. Zusätzliche Dynamik erhielt der Export durch den Beitritt zur Welthandelsorganisation 2001 - ein Signal für die Öffnung des Marktes. Im vergangenen Jahr konnte China die Exporte von 266 auf 325 Milliarden US-Dollar steigern, heuer sollen es 415 Mrd. Dollar werden. </P><P>Gleichzeitig nehmen ausländische Direktinvestitionen zu. Ein riesiger Markt und niedrige Produktionskosten locken Firmen aus aller Welt an. Konzerne wie GM oder VW erzielen dort Gewinnmargen, die zum Teil dreimal so hoch sind wie am heimischen Markt, so Asienexperte Hans Hölzl von Union Investment. Hinzu kommen Privatisierungen und eine robuste Binnennachfrage.<BR><BR>Neben großen Infrastrukturprojekten sorgt eine Mittelschicht von etwa 200 Millionen Chinesen für ein ausgezeichnetes Konsumklima. Doch nicht allein China ist für die Asien-Euphorie verantwortlich. Auch Indien befindet sich auf dem Vormarsch. Nach einem Wirtschaftswachstum von 4,3 % 2002, sollen es in diesem Jahr 6,5 % werden. Wie China profitiert auch Indien von Direktinvestitionen ausländischer Firmen, von Infrastrukturprojekten wie einer großen Ringstraße, die den Handel zwischen den Ballungszentren vereinfachen soll, von einer verbesserten Binnennachfrage und der Privatisierung.<BR><BR>Das Wachstum kommt auch Nachbarn zugute. Auch die Importe nehmen zu. So werde China nach Schätzung der Analysten der Dresdner Bank in diesem Jahr Waren im Wert von 385 Milliarden Dollar importieren (2002: 281 Milliarden), in Indien werde der Warenimport in diesem Jahr von 56 auf etwa 66 Milliarden steigen. Aus Taiwan, Indonesien, Korea oder auch Thailand werden Rohstoffe und Fertigprodukte geliefert. Kein Wunder also, dass das Wachstum in der Region im Durchschnitt zwischen 6 und 7 % liegt.<BR><BR>Doch es gibt Risiken. Viele der Länder befinden sich erst auf dem Weg zu voll entwickelten Märkten und zum Teil auch zu stabilen politischen Systemen. In einem solchen Umfeld, warnt Hölzl, sind stark schwankende Märkte eher die Regel als die Ausnahme. Mit einer Korrektur sei umso mehr zu rechnen, da die Aktienmärkte zuletzt rasant zulegten. Der indische Aktienindex Sensex gewann seit Jahresanfang 45 %, der thailändische SET 83 % und der chinesische H-Index 80 %. </P><P>Das Bankensystem ist anfällig und auch das Rechtssystem steht noch nicht auf stabilen Beinen, so der Fondsmanager. Auf lange Sicht aber bleibt Hölzl optimistisch. Für langfristig orientierte Anleger, die sich von kurzfristigen Rückschlägen nicht schocken lassen, sollte sich ein Investment - wegen der Risikostreuung sinnvollerweise in Investmentfonds - deshalb auszahlen.</P><P>Niedrige Lohnkosten locken Investoren: Schulung von Arbeitern in einem GM-Autowerk im ostchinesischen Yantai.Foto:</P>

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