Athen zahlt an internationale Gläubiger

Athen - Griechenland steht am Abgrund, doch Athen will Hunderte Millionen Euro an internationale Investoren auszahlen. Ausgerechnet Spekulanten, die zu Schnäppchenpreisen gekauft haben, profitieren.

Griechenland wird Staatsmedien zufolge 435 Millionen Euro an internationale Gläubiger auszahlen. Am Dienstag wurde eine griechische Staatsanleihe fällig, die vor zehn Jahren unter britischem Recht aufgelegt wurde und deshalb nicht dem Schuldenschnitt unterliegt. Einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur ANA zufolge wird Athen die Schulden begleichen. Allerdings stelle die Auszahlung keine Sicherheit für Gläubiger der restlichen Anleihen unter internationalem Recht dar, an ihr Geld zu kommen, hieß es.

Insgesamt geht es um Staatspapiere im Volumen von mehr als sechs Milliarden Euro. In der vergangenen Woche waren bereits fällige Zinsen an die Halter eines 20 Milliarden Yen (192 Millionen Euro) schweren griechischen Staatspapiers geflossen.

Die Wertpapiere, um die es nun geht, unterliegen ausländischem Recht. Sie sind vom Forderungsverzicht, mit dem Athen seinen Schuldenberg auf einen Schlag um knapp 107 Milliarden Euro abgebaut hatte, nicht betroffen. Bei den meisten Anleihen hatte Griechenland leichtes Spiel und konnte die Investoren mit Umschuldungsklauseln zur Teilnahme am Schuldenschnitt zwingen. Bei den internationalen Titeln nicht.

Hedgefonds und andere Spekulanten hatten davon schnell Wind bekommen und regelrecht Jagd auf die entsprechenden Papiere gemacht. Mit Erfolg: Anleihen im Wert von insgesamt mehr als sechs Milliarden Euro befinden sich in den Händen von Anlegern, die sich nicht zum Forderungsverzicht drängen ließen. Für sie ist nun Zahltag.

Bis vor kurzem hatte sich die Regierung noch knallhart gegeben, für die Auszahlung sei kein Geld da. Letztlich dürften hinter den Entscheidungen aus Athen jedoch ohnehin die Geldgeber aus Brüssel und Frankfurt stehen. Ein Zahlungsboykott wäre auch aus anderem Grund sehr riskant: Rechtsstreit wäre programmiert gewesen, vor internationalen Gerichten und mit Profis, die sich auf eben diese Fälle spezialisiert haben.

Auch für die Geldgeber aus Brüssel und Frankfurt wären die Gefahren bei einem Zahlungsausfall hoch. Denn wenn nur eine Anleihe nicht rechtzeitig bedient wird, können theoretisch alle anderen auf einen Schlag fällig gestellt werden. Zwar wären die im Rahmen des Schuldenschnitts neu aufgelegten Papiere von diesem - in der Fachsprache “Cross Default“ genannten - Szenario nicht betroffen. Allerdings befinden sich auch Titel in den Händen öffentlicher Gläubiger, bei denen die Sachlage nicht abschließend geklärt ist.

dpa

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