"Atomkraftwerke sollen länger laufen"

- Vor dem heutigen Energiegipfel der Bundesregierung hat sich Bayerns Europaministerin Emilia Müller (CSU) für längere Laufzeiten von deutschen Atommeilern ausgesprochen. Müller besichtigte gerade in Finnland den Bau des neuen Kernkraftwerkes in Olkiluoto.

Könnten Sie sich vorstellen, dass auch in Deutschland wieder ein Atomkraftwerk errichtet wird?

Emilia Müller: Das ist nicht die Frage. Deutsche Kernkraftwerke sollten allerdings solange laufen, wie die Sicherheit gewährleistet ist, und solange in Betrieb sein, bis der Anteil anderer Energiequellen deutlich gestiegen ist.

Haben Sie bereits konkrete Standorte im Blick?

Müller: Nein, es geht um längere Laufzeiten, nicht um neue Kraftwerke. Im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark hat es kürzlich einen schweren Zwischenfall gegeben.

Haben Sie keine Sicherheitsbedenken?

Müller: Die Sicherheit ist natürlich das oberste Gebot. Wir haben in Deutschland 17 Kernkraftwerke, fünf davon in Bayern mit einer Sicherheit, die weltweit Maßstäbe setzt. Interessant ist: In Finnland gab es vor dem Bau des Kernkraftwerkes eine offene Diskussion mit Experten. Dadurch wurde in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz für Atomenergie erreicht.

Wie wollen Sie die SPD für längere Laufzeiten gewinnen?

Müller: Wir müssen beim Energiegipfel offen und ideologiefrei auch über längere Laufzeiten diskutieren. Das Thema Kernenergie gehört unbedingt auf die Tagesordnung. Außerdem müssen wir über den künftigen Energiemix reden. Ab 2030 gibt es in Europa voraussichtlich keine Ölvorräte mehr. Wir müssen daher rechtzeitig mit Energielieferanten wie Russland Kooperationen schließen. Und wir brauchen eine gemeinsame Energie-Außenpolitik der EU. Dann erreichen wir bei Energielieferanten auch bessere Konditionen.

Wie wollen Sie das Problem der Endlagerung lösen?

Müller: Die fachlichen Verfahren und Untersuchungen für die Endlager in Schacht Konrad und in Gorleben müssen rasch zu Ende geführt werden. Rot-Grün hat bei jedem Kernkraftwerk ein Zwischenlager einrichten lassen. Das ist aber keine Dauerlösung.

Das Gespräch führte Steffen Habit

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