Attacken gegen Staatsanwälte: Die Angeklagten halten Plädoyers

- Düsseldorf - Milde und fast belustigt wirkt der Chef der Deutschen Bank, als er mit seiner Aussage im Mannesmann-Prozess beginnt. "Ich weiß nicht, wo hier ein strafrechtliches Problem liegen soll", sagt Josef Ackermann am Anfang seiner fast 40-minütigen Stellungnahme. Der mächtigste Bankmanager der Republik hält sich nicht mit rechtlichen Details auf. Seine Stellungnahme wird zur Abrechnung mit den Staatsanwälten - zum Plädoyer.

<P>"Hätten wir Herrn Esser etwa sagen sollen: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen?" Die 15,9 Millionen Euro Prämie für den Mannesmann-Chef Klaus Esser seien angesichts des Erfolges des Konzerns nicht mehr als eine "außergewöhnliche Anerkennung für eine außergewöhnliche Leistung". Er halte sie noch heute für richtig. "Wir haben uns vom Prinzip der Leistungsgerechtigkeit leiten lassen." Wenn ein Abteilungsleiter für ein außerplanmäßiges Plus von 152 000 Euro eine Prämie von 1000 Euro erhalte, hätte Esser eine Milliarde bekommen müssen, rechnet Ackermann vor. </P><P>"Wir haben uns vom Prinzip der Leistungsgerechtigkeit leiten lassen."<BR>Josef Ackermann</P><P>Zum Zeitpunkt des Amtsantritts Essers als Vorstandschef Mitte 1999 hatte der Unternehmenswert von Mannesmann bei 52 Milliarden Euro gelegen. Vodafone zahlte bei der Übernahme gut ein halbes Jahr später 188 Milliarden Euro in Aktien.<BR>Es ist der Tag der Angeklagten in Deutschlands spektakulärstem Wirtschaftsprozess um Machtmissbrauch und Mannesmann-Millionen. Ackermann, Esser, Ex-Aufsichtsratschef Joachim Funk und der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel haben endlich Gelegenheit, im Saal L 111 auf Untreue-Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu reagieren. Und nutzen sie.</P><P>Noch schärfer als Ackermann geht Esser mit den Staatsanwälten ins Gericht. Der Ex-Mannesmann-Chef wirft der Anklagebehörde "üble Nachrede" vor. Mit aller Macht habe die Behörde dafür gekämpft, in seinem Fall eine öffentliche Vorverurteilung wegen Käuflichkeit zu erreichen. Sie habe Vorwürfe der Bestechung, der Käuflichkeit und schließlich gar einer Verschwörung gegen die Mannesmann AG erfunden. Dabei sei noch keine Bezahlung eines Vorstandes rechtlich vorab so intensiv geprüft worden wie diese Millionenprämie.</P><P>"Ich habe viele Kompromisse machen müssen, aber käuflich war ich nie."<BR>Klaus Zwickel</P><P>Unangemessen findet er den Millionen-Regen auch heute noch nicht. "Es trifft keineswegs zu, dass solch ein Bonus in Deutschland einzigartig gewesen wäre, nicht einmal in der Höhe", betonte Esser - es sei der einzige Fall, wo dies öffentlich gemacht worden sei. Doch gerade diese Transparenz habe zu einer beispiellosen Kampagne und zum Strafverfahren geführt. Der frühere Aufsichtsratschef Funk wies Vorwürfe der Staatsanwaltschaft über dubiose Verfahrensabläufe bei der Gewährung der Prämien und Abfindungen zurück: "Es ging hektisch zu. Eine feindliche Übernahme ist kein Spaziergang durch einen schönen Park. Die Situation gleicht mehr einem Schlachtfeld." Die Prämiengewährung sieht er noch heute als eine "vernünftige unternehmerische Entscheidung, orientiert an Leistung und Erfolg".</P><P>Zwickel, Arbeitnehmervertreter im Mannesmann-Aufsichtsrat, leugnete ebenfalls jede Schuld. Bei seinen Entscheidungen sei es ihm um die Zukunft des Konzerns und der Arbeitsplätze gegangen. "Ich habe in meinem Leben viele Kompromisse gemacht und machen müssen. Aber käuflich war ich nie."</P>

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