Auch 2005 Nullrunde für Rentner

- Würzburg - Die deutsche Rentenversicherung befindet sich in der größten Krise ihrer Geschichte. Für das kommende Jahr erwartet der Verband Deutscher Rentenversicherer (VDR) massive Liquiditätsengpässe, die nur durch Finanzhilfen aus dem Bundeshaushalt aufgefangen werden können. "Wir müssen darauf aufmerksam machen, dass hier ein gravierendes Problem entstehen könnte", sagte die VDR-Vorstandsvorsitzende Ursula Engelen-Kefer in Würzburg.

<P>Erstmals seit mehr als 20 Jahren verzeichnen die Rentenversicherer im laufenden Jahr einen Rückgang der Beitragseinnahmen. Insgesamt werden diese für 2004 auf 167,9 Milliarden Euro geschätzt, rund 500 Millionen weniger als im Vorjahr. Demgegenüber stehen Rentenausgaben von 197,6 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 2,7 Milliarden entspricht. Stellt man alle Einnahmen allen Ausgaben gegenüber, schließen die Renten-Kassen das Jahr mit einem Minus von 3,5 Milliarden Euro ab.<BR> <BR>Der VDR verband die Vorstellung der Zahlen mit Vorwürfen an die Regierung: "Die gesamte Gesellschaft ist auf ein verlässliches Rentensystem essentiell angewiesen", sagte Engelen-Kefer. "Die finanziellen Bedingungen für die Rentenversicherung werden dieser Anforderung gegenwärtig nicht gerecht." Vielmehr ergeben sich aus dem Zahlenmaterial folgende Konsequenzen:<BR> <BR>Renten: Die Renten werden am 1. Juli 2005 erneut nicht steigen. Im Gegenteil: Käme der zum Jahresanfang eingeführte "Nachhaltigkeitsfaktor" voll zum Tragen, müssten die Renten sogar um 0,8 Prozent sinken. Da dies per Gesetz verboten ist, kommen die Rentner mit einer Nullrunde davon. <BR> Beiträge: Die Rentenbeiträge werden 2005 auf jeden Fall bei 19,5 Prozent des Bruttoeinkommens stabil gehalten. Trotz der schlechten Finanzentwicklung hält die Bundesregierung am Ziel fest, die Lohnnebenkosten nicht steigen zu lassen.<BR> <BR>Schwankungsreserve: Die Reserven in der Renten-Kasse sind nahezu ausgeschöpft. Zum Jahresende beträgt der Restbetrag 4,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 7,5), das sind 28 Prozent einer Monatsausgabe aller Renten. Vor wenigen Jahren betrug die Reserve noch das Zehnfache. "Aus eigenen Mitteln wird die Rentenversicherung unterjährige Schwankungen nicht mehr ausgleichen können", warnte Engelen-Kefer.<BR> <BR> Zuschüsse vom Bund: Die Finanzspritze aus der Steuerkasse beläuft sich in diesem Jahr auf 54,4 Milliarden Euro - das sind 27,4 Prozent aller Rentenausgaben. Da die Schwankungsreserve zuletzt so stark reduziert wurde, müssen die Bundeszuschüsse bereits ab Mai 2005 vorgezogen werden. Im Dezember ist sogar eine so genannte Bundesgarantie, also ein Darlehen, erforderlich. <BR><BR>Wachstum: Die Bundesgarantie im kommenden Dezember würde sich auf rund 600 Millionen Euro belaufen, wenn die optimistische Schätzung der Regierung eintritt, wonach die Löhne 2005 um 1,6 Prozent steigen. Die wissenschaftlichen Forschungsinstitute gehen in ihrem Herbstgutachten jedoch nur von 1,3 Prozent Lohn-Wachstum aus. In diesem Fall betrüge das Darlehen bereits eine Milliarde Euro.</P>

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