Auch in Bayerns Wirtschaft ist nicht alles Gold, was glänzt

- München - Die bayerische Wirtschaft ist nach 13 Jahren unter Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) weiterhin bestens aufgestellt. Allerdings häuften sich zuletzt große Pleiten. Und auch im wirtschaftsstarken Bayern gibt es Flecken, die von Wachstum und Dynamik abgehängt scheinen.

Mit Weltkonzernen wie BMW, Siemens und der Allianz sowie erfolgreichen Mittelständlern hat die bayerische Wirtschaft im Vergleich zu anderen Bundesländern seit Jahren eine Spitzenposition. Ob bei Arbeitslosigkeit oder Wirtschaftswachstum: "Bayern liegt immer über dem Durchschnitt", fasste ifo-Chef Hans-Werner Sinn die Sonderrolle Bayerns zusammen.

Auch unter der Führung von Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) entwickelte sich die Wirtschaft im Freistaat in den meisten Jahren überdurchschnittlich. Allerdings hatte der CSU-Vorsitzende bei seinem Amtsamtritt als Ministerpräsident das Land im Mai 1993 schon in guter Verfassung übernommen.

Bayern profitiert davon, dass in dem Land - im Gegensatz zum Beispiel zu Nordrhein-Westfalen - wenig alte Industrien angesiedelt sind. Dadurch schaffte der Freistaat fast direkt den Sprung vom Agrar- zum High-Tech-Standort. Wo es in Bayern aber klassische Industrien gab und gibt - wie zum Beispiel in Franken - hat auch Bayern mit Strukturproblemen zu kämpfen.

Pleiten-Serie: Kirch, Fairchild Dornier, BenQ

Zeugnis davon gab im vergangenen Jahr zum Beispiel die Krise beim Hausgerätehersteller AEG, der in wenigen Wochen seine Produktion in Nürnberg dicht macht. Nach Ankündigung der Schließung durch den schwedischen Electrolux-Konzern konnte Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) nur verkünden: "Wir müssen uns damit abfinden, dass es keine Rettung für den Standort zu geben scheint." Zudem gab es auch im Musterland Bayern in den vergangenen Jahren eine Reihe von spektakulären Großpleiten - von der KirchGruppe über den Flugzeugbauer Fairchild Dornier bis zum Handyhersteller BenQ Mobile.

Diskrepanz zwischen Speckgürtel und fränkischen Industriestädten

Insgesamt können die meisten anderen Bundesländern von einer Arbeitslosenquote wie zuletzt mit 5,9 Prozent nur träumen. Nur Baden-Württemberg stand besser da. Bundesweit lag die Quote bei 9,6 Prozent. Dabei gibt es nach wie vor ein deutliches Süd-Nord-Gefälle, für das Stoiber immer wieder von der Landtags-Opposition kritisiert wurde: Im Speckgürtel Münchens weist Freising mit durchschnittlich 3,8 Prozent die landes- und bundesweit mit Abstand niedrigste Arbeitslosenquote auf. In fränkischen Hof liegt die Quote dagegen mit 10,3 Prozent noch im zweistelligen Bereich.

Um einzelne Regionen zu stärken, setzten Stoiber und seine Wirtschaftsminister in den vergangenen Jahren stark auf die Förderung so genannter Cluster. So siedelten sich zum Beispiel in Martinsried bei München zahlreiche Biotech-Firmen an.

Auch beim Wachstum stand Bayern 2006 gut da. "Die bayerische Wirtschaft brummt wie seit vielen Jahren nicht mehr", sagte Wirtschaftsminister Huber, der als einer der potenziellen Nachfolger Stoibers gilt. Das ifo Institut schätzte den Zuwachs im Freistaat auf 2,9 Prozent verglichen mit 2,5 Prozent im Bund. In diesem Jahr gehen die Wirtschaftsforscher für den Freistaat von 2,4 Prozent aus - das wären der Schätzung zufolge 0,5 Prozentpunkte mehr als im Bund.

Wachstum vom Export getragen

Getragen wird das Wachstum in Bayern vor allem vom Export. Im vergangenen Jahr fuhren die Firmen im Freistaat den 13. Ausfuhrrekord in Folge ein. Dabei profitiert der Freistaat unter anderem von den erfolgreichen Autoherstellern BMW und Audi, die in den vergangenen Jahren als Folge auch neue Mitarbeiter einstellten. Auch in der Luft-und Raumfahrt (EADS) und der Chemie- und Pharmaindustrie (Wacker Chemie, Südchemie, Hexal) haben hunderttausende Menschen Arbeit.

Mit den Versicherungskonzernen Allianz und Münchener Rück sowie der HypoVereinsbank spielt Bayern im Finanzsektor mit, und seine Rolle als Medienstandort hat der Freistaat mit dem ProSiebenSat.1-Konzern trotz des spektakulären Zusammenbruchs der Kirch-Gruppe behalten. Durch die breite Aufstellung mit einem großen Branchen-Mix werden auch anderen Pleiten, wie die des Handyherstellers BenQ, in Bayern besser abgefedert als in anderen Regionen.

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