Auch in Brasilien: VW droht und spart

- São Paulo - Produzieren im Billiglohn-Land gilt als ein Rezept, hohen deutschen Kosten zu entfliehen. Seit Jahrzehnten produziert Volkswagen in Brasilien. Jetzt stehen dort ähnliche Probleme an wie in Wolfsburg. Bei jedem Fahrzeug vom Einfach-Modell Fox, schießt der Konzern zu.

Auch die Lösungsvorschläge zeigen eine in Deutschland vertraute Handschrift: Löhne kürzen und entlassen. Unter 100 Euro im Monat beträgt in Brasilien der gesetzliche Mindestlohn. Im industriellen Ballungsraum um São Paulo wird erheblich mehr gezahlt. Doch auch bei Volkswagen liegen die Löhne für die Arbeiter in den Werken rund um São Paulo weit unter 1000 Euro im Monat.

Ultimatum: Abbau und Verzicht oder Schließung

Zuviel, sagen die harten Kostenrechner in Wolfsburg. Dazu kommt, dass die Währung Real künstlich aufgewertet wurde, ein Problem, für die brasilianischen Werke. Von fünf Autos die dort produziert werden, wandern zwei in den Export -wegen des starken Real ist das ein Zuschussgeschäft.

Die Lösungsansätze liegen auf der Hand: Kosten kürzen oder die Exporte zurückfahren. VW würde gern an beiden Stellschrauben ansetzen. Rund 3600 von insgesamt 22 000 Beschäftigten sollen in den nächsten zwei Jahren entlassen werden. Die verbleibenden Mitarbeiter sollen auf Vergünstigungen und Zuzahlungen verzichten. Auch die Schließung eines der fünf Werke in Brasilien steht seither im Raum. "Unser Mutterhaus in Deutschland meint, dass wir hier in Brasilien eine Fabrik zu viel haben", sagte bereits im Mai der brasilianische VW-Präsident Hans-Christian Maergner.

Bei der Gewerkschaft biss VW mit den Plänen bisher auf Granit. "Diese Pläne zu akzeptieren würde bedeuten, dass wir das Tor zur Hölle für die gesamte Autoindustrie in Brasilien öffnen", sagte der Präsident der Metallarbeitergewerkschaft José Lopes Feijó, und reagierte damit auf ein Ultimatum des Konzerns gegenüber der Gewerkschaft. Entweder diese schlucken die von Volkswagen geforderten Umstrukturierungsmaßnahmen, oder es werde das ganze Werk in Anchieta geschlossen und mindestens 6000 Menschen entlassen. Immerhin handelt es sich bei Anchieta um das älteste und traditionsreichste VW-Werk in Brasilien. Doch die Beschäftigten beugten sich nicht: Die Be- schäftigten präsentierten der Firmenleitung Gegenvorschläge.

Gewerkschaft: Management schuld an den Problemen

Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung und zur Senkung der Produktionskosten. Auch ist die Gewerkschaft bereit über ein Programm mit Anreizen zur freiwilligen Aufgabe des Arbeitsplatzes zu sprechen. Schließlich trage das schlechte Management die Schuld für die Probleme. Nun droht ein Streik. Denn auch die Gewerkschaften setzten ein Ultimatum: Neue Verhandlungen bis Freitag. Bereits am Samstag könnten die Gewerkschaften neue Kampfmaßnahmen beschließen.

Dafür hat Volkswagen einen Konflikt in Mexiko beilegen können. Die im dortigen Werk Puebla streikenden Arbeiter bekommen vier Prozent mehr. Zusammen mit höheren Lebensmittelgutscheinen summiert sich die Erhöhung nach Konzernangaben auf 4,7 Prozent, die Regierung spricht von 5,5 Prozent. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich 8,5 Prozent verlangt, die Forderungen aber im Vorfeld der Einigung zurückgenommen.

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