Auch Chinesen packten es nicht: Dornier 728 erneut vor dem Aus

- Oberpfaffenhofen - Es war eines der ehrgeizigen Projekte der deutschen Luftfahrtindustrie: Mit der Do 728 wollte Fairchild Dornier eine Regionaljet-Familie mit 50 bis 90 Sitzen auf den Markt bringen. Nun scheint das Projekt, neben Bombardier und Embraer eine dritte Kraft im Regionalflugzeugbau zu etablieren auch im zweiten Anlauf gescheitert zu sein. Der neue chinesische Eigner muss das Handtuch werfen.

<P>Die Geschäftsführung hat einen solchen Antrag beim Amtsgericht Weilheim eingereicht, bestätigte eine Gerichtssprecherin auf Anfrage. Die Sprecherin der chinesischen D'Long-Gruppe, die diesen Teil des 2002 Pleite gegangenen Gesamtkonzerns vor Jahresfrist übernommen hatte, verweigerte indessen jede Auskunft. "Dazu werde ich keinen Kommentar abgeben. Auf Wiederhören", war das Einzige, was sie gestern von sich gab.<BR><BR>Der Regionaljet Do 728, von dem nur ein Prototyp existiert, hatte wegen seiner aus dem Ruder laufenden Entwicklungskosten maßgeblich zur Insolvenz des Regionalflugzeugbauers vor den Toren Münchens beigetragen. Nachdem die damaligen Eigner bereits eine Milliarde Dollar in das ehrgeizige Projekt investiert haben, schätzen Branchenkenner den Finanzbedarf bis zur Serienproduktion auf nochmals eine ähnliche Summe. <BR><BR>Nachdem Branchengrößen wie Europas Luft- und Raumfahrtkonzern EADS oder sein US-Konkurrent Boeing einen Einstieg bei der Do 728 abgelehnt hatten, kaufte 2003 der D'Long-Konzern das Projekt aus der Insolvenzmasse heraus, die damals in drei Teile zerfiel. Die Chinesen zeigten sich zuversichtlich,den Passagierjet mit seinen 70 Sitzplätzen zum Fliegen zu bringen. Der Erstflug war für diesen Herbst angesetzt. Die Serienfertigung sollte 2006 beginnen und das Personal dann von heute 40 auf 600 Mitarbeiter aufgestockt werden. Hintergrund der neuerlichen Pleite sind dem Vernehmen nach Finanzprobleme des chinesischen Mutterkonzerns, der für die Do728 in den vergangenen Monaten offenbar vergeblich Partner - gesprochen wurde unter unter anderem von Boeing - gesucht hatte. <BR><BR>Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu war bei seinem jüngsten Besuch in China im Gespräch mit einem zweiten chinesischen Unternehmen, das als möglicher Investor für das Projekt in Frage kam. Die Verhandlungen blieben ohne Ergebnis. <BR><BR>Seit Wochen kursieren im Internet Warnungen der chinesischen Finanzaufsicht "China Banking Regulatory Commission", dass bei sechs Firmen von D'Long Überschuldung drohe.<BR><BR>Sogar vom Zusammenbruch des gesamten Konzerns war die Rede. Allerdings wurde damals in der Europa-Zentrale noch Optimismus verbreitet. "Das Geschäft hier zu Lande ist nicht betroffen", hieß es wiederholt. Auch im Wirtschaftsministerium wunderte man sich über Intransparenz bei D'Long. Nun aber bestätigten auch Zulieferer einen Stopp der Aktivitäten. Damit verfliegen die letzten Hoffnungen, alle Teile des mit 3600 Mitarbeitern Pleite gegangenen Regionalflugzeugbauers zu reaktivieren. </P><P><BR> </P>

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