Auch Gesellen dürfen sich in Zukunft selbstständig machen

- Berlin/München - Gesellen dürfen in Zukunft auch ohne Meisterbrief einen Handwerksbetrieb eröffnen. Nur noch für 29 der 95 in der Handwerksordnung aufgeführten Berufe soll der Meister-Zwang gelten, beschloss gestern der Deutsche Bundestag mit der Mehrheit der rot-grünen Stimmen.

<P>Die Bundesregierung will nur noch für "gefahrengeneigte Gewerbe" den Meisterbrief als großen Befähigungsnachweis verlangen. Zu diesen Berufen gehören etwa Elektrotechniker, Gerüstbauer, Betonbauer, Dachdecker, Ofen- und Luftheizungsbauer, Zimmerer, Straßenbauer, Schornsteinfeger oder Zweiradmechaniker. In den übrigen Berufen kann der Meisterbrief freiwillig erworben werden.</P><P>Gesellen sollen nach dem Willen der Koalition nach zehn Jahren Berufserfahrung, davon fünf Jahre in verantwortungsvoller Stellung, einen Anspruch erhalten, in die Handwerksrolle eingetragen zu werden. Damit soll ihnen die Selbstständigkeit erleichtert werden. <BR>Das Handwerk selbst sorgt sich wegen der Gesetzesnovelle um die Qualität der handwerklichen Leistungen. </P><P>"Der von der Bundesregierung geplante Kahlschlag im Handwerksrecht würde die bisherigen Strukturen im Handwerk zerstören," sagte Heinrich Traublinger, Präsident der Handwerkskammer in München.</P><P>"Wir brauchen eine sachgerechte Reform, die den Anforderungen nach Qualifikation und Verbraucherschutz sowie Beitrag zur beruflichen Ausbildung gerecht wird", betonte er. Auch in Zukunft müsse der Meisterbrief die Voraussetzung für die Führung eines modernen, fachlich anspruchsvollen und betriebswirtschaftlich optimal organisierten Handwerksbetriebs sein. </P><P>Die Opposition stimmte gegen das Gesetz, das sie im Bundesrat noch blockieren kann.In den etwa 580 000 Handwerksbetrieben in Deutschland arbeiten 5,3 Millionen Menschen. Die Bundesregierung will mit der Novelle Bürokratie im Handwerk abbauen und die Selbstständigenquote in Deutschland anheben. Dazu sollen Existenzgründer im Handwerk auch in den ersten vier Jahren von der Zahlung der Kammerbeiträge befreit werden.<BR><BR></P>

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